Ärger mit dem Arbeitszeugnis

Ärger mit dem Arbeitszeugnis

von -
3188

Informationen für IG Metall-Mitglieder

Immer wieder kommt es vor, dass Arbeitszeugnisse vor den Arbeitsgerichten landen. Und das zu Recht, denn die Beschäftigten fühlen sich zu schlecht bewertet und ungerecht behandelt. Die Gründe liegen auf der Hand: Ein schlechtes oder mittelmäßiges Zeugnis kann das Fortkommen im Arbeitsleben massiv behindern.

Wie die Leistung eines/einer Arbeitnehmer/in zu bewerten ist und wer was beweisen muss, hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einem aktuellen Urteil vom 18. November 2014 klargestellt. (Aktenzeichen 9 AZR 584/13).

Was heißt Durchschnitt?
Es ging um den Fall einer Zahnarzthelferin, die ein befriedigendes Arbeitszeugnis („zur vollen Zufriedenheit“) bekommen hat. Damit war sie nicht zufrieden und strebte eine bessere Bewertung an. Das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg war schon zuvor der Auffassung, dass der Arbeitgeber beweisen müsse, dass seine Beschäftigte keine bessere Leistung erbracht hätte. Normalerweise obliegt es dem klagenden Arbeitnehmer, diesen Beweis zu führen. Das LAG berief sich dabei auf eine Studie, laut der rund 90 Prozent aller Arbeitszeugnisse »gut« bis »sehr gut« sein sollen. Die Formulierung „zu unserer vollen Zufriedenheit“ (für eine mittelmäßige Arbeitsleistung) entspreche nicht mehr dem Durchschnitt, da der Großteil der Zeugnisse besser ausfällt.

Bessere Leistungen muss der Arbeitnehmer beweisen
Das Bundesarbeitsgericht folgte dieser Argumentation nicht. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts sei die Note »befriedigend« als mittlere Note der Zufriedenheitsskala Ansatzpunkt für die Bewertung.

Die Bewertung des Arbeitgebers »zur vollen Zufriedenheit« bedeutet daher in Anlehnung an das Schulnotensystem die Note »befriedigend«. Wer eine bessere Bewertung anstrebt, muss im Zeugnisrechtsstreit entsprechende Leistungen vortragen und gegebenenfalls beweisen – selbst dann, wenn in der einschlägigen Branche überwiegend gute (»stets zur vollen Zufriedenheit«) oder sehr gute („stets zur vollsten Zufriedenheit“) Endnoten vergeben werden.

Wohlwollend, aber wahr
Grundsätzlich gilt für Arbeitszeugnisse, dass sie wohlwollend formuliert sein müssen. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Arbeitgeber eine unrealistische Beurteilung abgeben muss, um seinem (Ex-)Beschäftigten etwas Gutes zu tun. Das BAG stellt in seiner Entscheidung klar: Gefälligkeitszeugnisse sind verboten. Der Zeugnisanspruch nach § 109 Abs. 1 Satz 3 GewO richte sich auf ein inhaltlich „wahres“ Zeugnis. Das umfasse auch die Schlussnote. Ein Zeugnis muss nur im Rahmen der Wahrheit wohlwollend sein.

Checkliste – Das gehört ins Arbeitszeugnis

  • Form: Offizieller Briefbogen, Überschrift, Datum, Unterschrift des Disziplinarvorgesetzten oder des zuständigen Beschäftigten, der das Zeugnis ausstellen darf.
  • Einleitung: Name, Geburtsdatum, Dauer des Arbeitsverhältnisses und Funktion im Unternehmen
  • Beruflicher Werdegang im Unternehmen: Aufgabenbeschreibung einschließlich Beschreibung der Verantwortungsbereiche
  • Leistungsbeurteilung Fokus auf Fachkompetenzen. Erfahrungen, Erfolge, Entwicklung des Beschäftigten
  • Verhaltensbeurteilung: Fokus auf soziale Kompetenzen. Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kunden /Geschäftspartnern, Kollegen
  • Schlussformel: Grund des Ausscheidens, Bedauern, Wünsche für die Zukunft

Das sollte man wissen
Wie oben beschrieben, sagen die Formulierungen im Arbeitszeugnis viel über den Beschäftigten und seine (fehlende) Qualifikation aus. Einige Beispiele, die man kennen sollte:

Sehr gut:
„Stets zur vollsten Zufriedenheit“, „außerordentlich zufrieden“, „in allerbester Weise“, „hervorragende Leistungen“, „stets geschätzt als freundlicher und fleißiger Mitarbeiter“
Gut:
„Stets zu unser vollen Zufriedenheit“, „mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit“, „den Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen“, „immer freundlich und aufgeschlossen“
Befriedigend:
„Zu unserer vollen Zufriedenheit“, „Verhalten war vorbildlich“, „zeigte Engagement“
Ausreichend:
„Zu unserer Zufriedenheit / waren zufrieden“, „hat den Erwartungen entsprochen“, „Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen“
Mangelhaft:
„Weitestgehend zu unserer Zufriedenheit“, „hat den Erwartungen weitestgehend entsprochen“, „persönliches Verhalten war insgesamt einwandfrei“
Ungenügend:
„Hat sich bemüht, die übertragenen Aufgaben zur Zufriedenheit zu erledigen“, „hat sich bemüht unseren Erwartungen zu entsprechen“, „stets bemüht, die Aufgaben zu erfüllen“

ÄHNLICHE ARTIKEL