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Hattingen: Insolvenz der OHE Mininig Technology GmbH

Kai Kowalczik, Guido Haarmann, Sven Berg und Heinz Adolphs (v.l.n.r.) Foto: IGM GH

Der Konflikt in der Ost-Ukraine und die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland haben ein Traditionsunternehmen in der Region getroffen: Die OHE Mining Technology GmbH an der Henrichs-Allee in Hattingen musste Insolvenz anmelden. „Zahlungsausfälle von Kunden und Auftragseinbrüche in Russland und in der Ukraine“, sind für den Betriebsratsvorsitzen-den Heinz Adolphs auschlaggebende Gründe.

Unser Gespräch findet im Betriebsratsbüro im neugebauten Werk auf dem ehemaligen Ge-lände der Henrichshütte statt, das erst 2011 bezogen wurde. Das 1946 in der Ruhrstadt ge-gründete Maschinenbau-Unternehmen produzierte über sechs Jahrzehnte im Gewerbege-biet Beul. Die Produktpalette, die von den Beschäftigten hergestellt wird, umfasst hydrau-lische, elektro-hydraulische Steuerungen zusammen mit allen notwendigen hydraulischen Filtern und Ventilen, elektronische Steuerungssysteme, Hydraulikzylinder & Stempel für den Bergbau unter Tage.

Mit am Tisch sitzen die Betriebsratsmitglieder Guido Haarmann, Kai Kolwalczik und Heinz Adolphs. Sie und ihre Kollegen haben schwere Wochen hinter sich und eine ungewisse Zu-kunft vor sich. Schon seit Anfang des Jahres mussten sie sich mit ihren anderen Betriebs-rats-Kollegen mit dem Thema Personalabbau auseinandersetzen. Rund 20 Kollegen muss-ten gehen. Diese Personalreduzierung sollte das verhindern. Doch im Juni wurden Betriebs-rat und Beschäftigten erneut überrascht. Die OHE-Geschäftsführung leitete ein Schutz-schirmverfahren in Eigenverwaltung ein, erzählen die Kollegen.

„Das ist im Insolvenzrecht ein Schritt, um ein Sanierungsplans für das Unternehmen zur Stabilisierung der Geschäfts- und Fertigungsprozesse, sowie zur Sicherstellung der finan-ziellen Mitteln zu erarbeiten“, erläutert IGM-Sekretär Sven Berg, der den Betrieb betreut. Zur Unterstützung der Geschäftsführerin Natalia Ponomarenko setzte das Gericht den Fach-anwalt für Insolvenzrecht Thorsten Klepper von der  Kanzlei Klepper & Partner in Hagen als Sachwalter ein.

Vielen der Beschäftigten kamen die Erinnerungen an die Insolvenz im Jahre 2002 hoch oder hatten wie Kai Kowalczik vergleichbare Erfahrungen beim VSG-Konkurs gemacht. Für Hen-lich wurde damals ein neuer Investor gefunden. Aufgrund des Rückgangs des deutschen Steinkohle-Bergbaus und der damit verbundenen Zechenschließungen setzte die neue Ge-schäftsführung vorrangig auf den Export der Produkte u.a. nach  Russland, die Ukraine, Polen, Tschechische Republik und China.

„Die wegbrechenden Aufträge und ausstehende Zahlungen“, so der Betriebsratsvorsitzende, “hatten zum Ergebnis, dass der Sanierungsplan nicht griff und das Schutzschirmverfahren im September in die Insolvenz übergeleitet wurde“. Insolvenzverwalter Klepper ist nach Auffas-sung der Betriebsratsmitglieder bemüht, gemeinsam mit der Geschäftsführerin Ponomarenko  Möglichkeiten zu finden, um den Betrieb fortzuführen. Dazu gehören auch die Veränderung und Verbesserung von innerbetrieblichen arbeitsorganisatorischen Abläufen in der Produk-tion.

Doch wieder hat es die Beschäftigten getroffen. Betriebsrat und IG Metall wurden mit der Forderung zur Halbierung der Belegschaft konfrontiert. Die Interessenvertretung nahm mit Unterstützung der Gewerkschaft Verhandlungen über einen Interessenausgleich auf – mit dem Ergebnis: Heute sind nur noch 38 Kolleginnen und Kollegen an der Henrichs-Allee beschäftigt. „Es war für uns eine schwierige Zeit, denn wir kannten doch jeden einzelnen der gekündigt wurde“, sagt Heinz Adolphs nachdenklich.

Dennoch, die drei Betriebsratsmitglieder sind zuversichtlich. Das Unternehmen hat aus Sven Bergs Sicht „gute Chancen, weitergeführt zu werden“. OHE habe  eine gute Substanz, gute Produkte und eine qualifizierte Belegschaft fasst er die Hauptgründe zusammen. Als ich das Gebäude verlasse, geht mir durch den Kopf-  wie oft haben wir in Auseinandersetzungen um den Erhalt von Arbeitsplätzen formuliert haben: „Wir kämpfen ohne Illusionen, aber mit  Hoffnungen.“ Es ist diese Hoffnung, die auch heute wieder die OHE’ler antreibt, sich für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze einzusetzen.

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