Beschäftigte sagen NEIN zur Arbeitszeitverlängerung

Beschäftigte sagen NEIN zur Arbeitszeitverlängerung

Ennepetal: Geschäftsführung will „Belegschaftsbeitrag“

Besonders originell bzw. intelligent ist die Methode nicht, doch in immer mehr Unternehmen gehört sie inzwischen zum Repertoire der Geschäftsführungen: Die Forderung nach einem „Belegschaftsbeitrag“. Im aktuellen Fall sollen die Beschäftigten von CDP Bharat Forge in Ennepetal zur Schadensbehebung der unverantwortlichen Sparpolitik der „alten“ Geschäftsführung einen finanziellen Beitrag leisten und damit einen Teil von notwendigen Investitionen mitfinanzieren. Damit es nicht so „schmerzhaft“ ist, sollen sie künftig, so die Vorstellung des „neuen“ Geschäftsführers Michael Weis, 38 Stunden wöchentlich für das Geld von 35 Stunden arbeiten.

Doch mit ihrem Vorschlag beißt die Geschäftsführung bei den Beschäftigten auf Granit. Die Position der IG Metall-Mitglieder in der außerordentlich gut besuchten Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche (26.03.) war eindeutig: Ein klares Nein zur Arbeitszeitverlängerung. „Über andere Beiträge und Einsparpotenziale kann verhandelt werden, dafür erteilten die Gewerkschaftsmitglieder der IG Metall-Bevollmächtigten einen Verhandlungsauftrag“, so der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Andreas Steinke.

Fakt ist: Durch fehlende vorbeugende Wartung, immer wieder hinausgeschobene Reparaturen und nicht getätigte Investitionen kam es in dem Altenvoerder Traditionsbetrieb, der im vergangenen Jahr 175-jähriges Jubiläum feiern konnte, zu einem Investitionsstau. Gleichzeitig stiegen die Instandhaltungskosten enorm an. Nicht ausgereifte bzw. fehlende Investitionen in der Endfertigung mit Folgen für die Qualität verschärfen die Situation zusätzlich. „Auf diese Probleme, die die Geschäftsführung ‚plötzlich‘ entdeckt hat“, haben wir als Betriebsrat in der Vergangenheit immer wieder hingewiesen“, sagte Betriebsratsvorsitzender Udo Kuhlmann und fügte hinzu: „Doch durch die Sparpolitik geschönte Zahlen für den indischen Anteilseigner waren wohl wichtiger als nachhaltige Innovationen im Betrieb.“

Dass es Veränderungen und vor allem Investitionen in der Schmiede und der Endfertigung geben muss, da ist sich das 11köpfige Betriebsratsgremium im Tal der Ennepe einig: Aber bitteschön nicht auf dem Rücken der Belegschaft. Also wurde die arbeitnehmernahe Beratungsgesellschaft Project Consult GmbH (PCG) aus Essen eingeschaltet. „Wir haben mit dieser Vorgehensweise schon in vorhergehenden Fällen positive Erfahrungen gesammelt“, sagte Udo Kuhlmann selbstbewusst. Jetzt sei es endlich an der Zeit, dass die Geschäftsführung „ihre Hausaufgaben“ mache und nicht nur „auf Personalkosten“ schiele.

In einer ersten BR-Klausurtagung wurden mit Unterstützung der IGM-Bevollmächtigten Clarissa Bader und Dr. Andreas Veres (PCG) erste „Eckpunkte für Einsparungspotenziale“, die nichts mit Personalkosten zu tun haben, identifiziert. „Wir wollen an diesem Prozess unsere KollegInnen beteiligen, denn sie verfügen mit ihren Erfahrungen über ein großes Expertenwissen“, ist Andreas Steinke überzeugt. Parallel dazu setze sich der Wirtschaftsausschuss mit Hilfe der PCG-Berater mit den wirtschaftlichen Zahlen des Unternehmens eingehend auseinander.

Die Linie, wo es in der nächsten Zeit lang gehen soll, ist abgesteckt: Die Betriebsratsmitglieder werden unter Einbeziehung der Vorschläge aus der Belegschaft mit den hinzugezogenen PCG-Beratern Details zu vorliegenden Einsparungsmöglichkeiten erarbeiten. Gemeinsam mit der IG Metall werden zum gegebenen Zeitpunkt Verhandlungen mit der Geschäftsführung über „Beiträge aus der Belegschaft“ zur „Zukunftssicherung des Unternehmens“ aufgenommen.

Dabei wissen die beiden Betriebsratsvorsitzenden nicht nur ihre Betriebsratsmitglieder und die
IG Metall-Vertrauensleute hinter sich, sondern auch die Belegschaft – eine wichtige Rückenstärkung für den kommenden Clinch mit der Arbeitgeberseite.

Foto: CDP-Betriebsratsvorsitzender Udo Kuhlmann Foto: IGM-GH

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