Betriebsrat fordert Verlängerung der Beschäftigungssicherung

Betriebsrat fordert Verlängerung der Beschäftigungssicherung

Ennepetal: Dorma fusioniert mit Schweizer Kaba-Konzern

Nach über 100 Jahren steht die Dorma-Gruppe vor einem historischen Umbruch. Am 22. Mai entscheiden die Kaba-Aktionäre über den Zusammenschluss des Ennepetaler Spezialisten für Türschließer und Automatiktüren, bisher im alleinigen Besitz der Familie Mankel/Brecht-Bergen, mit der schweizerischen Kaba Holding AG, einem führenden Anbieter von Zutritts- und Sicherheitsechnologie. Die IG Metall Bevollmächtigte und stellv. Aufsichtsratsvorsitzende der Dorma Holding, Clarissa Bader, sieht in der geplanten Fusion „Chancen und Risiken“ für das Unternehmen. Betriebsrat und IG Metall würden die Fusion kritisch begleiten.

An der neu gegründeten Dorma + Kaba Dachholding wird Kaba 52,5 Prozent und die Familie Mankel/Brecht-Bergen 47,5% halten (siehe Grafik). Die Dorma-Eigentümer erhöhen ihr unternehmerisches Engagement durch den Erwerb einer Beteiligung von 9,1% an Kaba und bilden zusammen mit den Kaba- Familienaktionären einen wichtigen Ankeraktionär der neugebildeteten Gruppe. Beide Familien binden sich für mindestens 15 Jahre mit einem Poolvertrag, räumen sich gegenseitige Vorkaufsrechte ein und verpflichten sich, ein Aktienpaket von 27% oder grösser nur dann an einen Dritten zu verkaufen, wenn dieser allen Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot zum selben Preis pro Aktie unterbreite.

Der Vollzug der Transaktion ist für das dritte Quartal 2015 geplant. Die börsennotierte Dorma + Kaba Holding AG wird ihren Hauptsitz nicht im westfälischen Voerde sondern in Rümlang im schweizerischen Kanton Zürich haben, und an der Schweizer Börse SIX notiert sein. Die fusionierte Gesellschaft soll vom derzeitigen Kaba-Chef, Riet Cadonau, geführt werden. Als gesetzter Finanzchef gilt der CFO von Dorma, Bernd Brinker. Der bisherige Dorma CEO Thomas P. Wagner wird das Unternehmen verlassen.

Über die mit der Fusion verbundenen Ziele unterrichteten Thomas P. Wagner, Vorsitzender der Dorma Geschäftsführung und Karl-Rudi Mankel in der vergangenen Woche den Aufsichtsrat, den Konzernbetriebsrat und die Ennepetaler Belegschaft. Die Botschaften lauteten: Es entstehe ein neues globales Top-3-Unternehmen – nach der schwedischen Assa Abloy-Gruppe und der irischen Allegion AG – mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro und 16.000 Beschäftigten. Die Firmen ergänzen sich bei der Produktpalette und in den Regionen – Kaba sei gut in den USA und Dorma im Raum Asien-Pazifik aufgestellt. Es lassen sich Synergien in Höhe von 60 Mio. Fr. bis 70 Mio. Fr. pro Jahr realisieren, die im vierten Jahr nach dem Zusammenschluss voll wirksam werden sollen.

Kryptisch fügte der Dorma CEO hinzu, mit Sicherheit brauche es Zeit, alle Hintergründe und die Strategie, die dahinter steckt, vollumfänglich zu verstehen, aber von der Industrielogik her, habe dieser Kurs viele Vorteile. Dagegen standen bei den Beschäftigten, nachdem die Einladung zur Belegschaftsinfo raus war, ganz praktische Fragen nach ihrer Zukunft im Vordergrund, die Debatten darüber brachte die Arbeit am Standort Ennepetal weitgehend zum Erliegen. Gruppen von Beschäftigten standen oder saßen zusammen und diskutierten über mögliche Auswirkungen, berichteten Betriebsratsmitglieder.

In den beiden Info-Versammlungen bestätigte Thomas P. Wagner, dass durch Synergien rund 800 Stellen weltweit eingespart werden sollen. Die Produktion am Standort Ennepetal bleibe davon unberührt, fügte er zur Beruhigung an. Es treffe vor allem die doppelt vorhandenen Funktionen und Stellen in den Verwaltungen beider Konzerne. Mit Blick auf diese Synergien im Personalbereich forderte der Konzernbetriebs-ratsvorsitzende Jörg Kannapin eine vorfristige Verlängerung der bestehenden „Vereinbarung über den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen über das Jahr 2016 hinaus“.

Das Hauptaugenmerk der gewerkschaftlichen Interessenvertretung in dem künftig börsennotierten Unternehmen, das stärker als ein Familienunternehmen auf hohe Renditeziele setze, müsse insbesondere auf der Sicherung der Standorte und der Arbeitsplätze liegen, so Kannapin und Bader.

Nicht unproblematisch sei, dass im zehnköpfigen Verwaltungsbeirat auf der Ebene der Dorma + Kaba Holding AG kein Arbeitnehmer vertreten sei, im Gegensatz zum Aufsichtsrat der Zwischenholding Dorma + Kaba Holding AG GmbH&Co. KG aA in Ennepetal, in dem weiterhin zwei betriebliche Arbeitnehmer, zwei IG Metall-Vertreter und eine leitenden Angestellten die Interessen der Belegschaft einbringen könnten. (Unter Verwendung „Neue Züricher Zeitung“ und „Handelsblatt“, 30.04.2015)

Transaktionsstruktur Kaba+Dorma

 

Foto: Konzern-Betriebsratsvorsitzender Jörg Kannapin, IG Metall-Vertrauenskörperleiter Reinhold Dicke und IGM Bevollmächtigte Clarissa Bader im Gespräch (v.l.n.r.) Foto: IGM GH-Archiv

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