Das „vergiftete“ Weihnachtsgeschenk

Das „vergiftete“ Weihnachtsgeschenk

Schmiedebetrieb Bahrat Forge CDP

Ennepetal. Frohen Mutes wollten Udo Kuhlmann und Andreas Steinke mit ihren Betriebsratskollegen und den IG Metall-Vertrauensleuten das Jahr 2019 abschließen. Immerhin konnte sich die „Halbzeitbilanz“ in der laufenden Amtsperiode durchaus sehen lassen. „Endlich ist es uns beispielsweise gelungen, die seit langem köchelnde Betriebsvereinbarung über Zeitkonten unter Dach und Fach bringen,“ bilanziert der Betriebsratsvorsitzende Udo Kuhlmann.

Die gewerkschaftliche Vertrauensleutearbeit im Betrieb habe sich positiv entwickelt, nicht zuletzt durch die Aktivitäten der beiden VK-Leiter Stefan Sattler und Firat Inanli. Das komme, so Andreas Steinke, nicht nur „in der guten Zusammenarbeit beider Gremien zum Ausdruck“, sondern habe sich auch „in steigenden Mitgliederzahlen für die IG Metall nieder geschlagen“. Positiv schätzen die beiden Vorsitzenden die betriebliche Arbeit der JAV ein. Also, alles gute Voraussetzungen, um gemeinsam mit den 560 Kolleginnen und Kollegen, davon 40 Auszubildende, in das neue Jahrzehnt zu starten.

Betriebsrat: Wir müssen das Thema Transformation gemeinsam bewältigen

„Schließlich müssen wir als Automobilzulieferer das Thema Transformation, also die Auswirkungen des Strukturwandels unserer Abnehmer, bis hin zur Elektromobilität, bewältigen,“ meint Udo Kuhlmann, der auch Mitglied des Ortsvorstandes der IG Metall Gevelsberg-Hattingen ist. Bei E-Motoren werden keine Kolben und Kurbelwellen, die die Schmiede in Ennepetal produziert, mehr benötigt. Das Thema müsse die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat und den Beschäftigten gemeinsam angehen, „damit die Arbeitsplätze nicht auf der Strecke bleiben“. Andreas Steinke: „Wir begrüßen deshalb, dass das Unternehmen in den zukunftsträchtigen Bereich Aluminimum investiert hat.“ Inzwischen würden aus Aluminium gefertigte Schwenklager für den Jaguar Land Rover hergestellt und ausgeliefert.

Geschäftsführung: Beschäftigte sollen Arbeitnehmerbeiträge leisten

„Um diesen Strukturwandel zu bewältigen, wird jedoch eine motivierte Belegschaft gebraucht“, sind die beiden IG Metaller überzeugt. Doch die Ankündigung der Geschäftsführung am Jahresende 2019, den „Beschäftigten in die Taschen“ greifen zu wollen, demotiviere und erzeuge zu Recht „Unmut“.

In der letzten Betriebsversammlung im abgelaufenen Jahr, legte der Vorsitzende der Geschäftsführung Michael Weis, den Beschäftigten ein „vergiftetes Weihnachtsgeschenk“ unter den Weihnachtsbaum. „Alles was wir uns in den letzten Jahren mühsam an tariflichen Erfolgen erkämpft haben, wird plötzlich in Frage gestellt,“ reagiert Udo Kuhlmann verärgert. Wieder einmal sollen den Beschäftigten zur „wirtschaftlichen Ergebnisverbesserung, Arbeitnehmerbeiträge“ abgerungen werden.

„Immer dann, wenn Geschäftsführern nichts Vernünftiges einfällt, um das Schiff auch bei rauer See auf Fahrt zu halten,“ greifen sie zu phantasielosen Sparorgien zu Lasten der Beschäftigten,“ kritisiert Andreas Steinke. Die Geschäftsführung sollte inzwischen wissen, dass das „mit uns so nicht geht“. Uns – das sind die Betriebsräte, IG Metall-Vertrauensleute und die Beschäftigten. Unterstützt von der betreuenden Gewerkschaftssekretärin Emel Cetin, hat der Betriebsrat inzwischen die arbeitnehmernahe Essener Beratungsgesellschaft Project Consult (PCG) eingeschaltet. Dr. Andreas Verres soll sowohl die wirtschaftlichen Zahlen des Unternehmens überprüfen, als auch gemeinsam mit den betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretern über „alternative Einsparziele“ beraten. „Für uns ist das nicht das erste Mal, mit dieser Vorgehensweise haben wir schon Erfahrung,“ erklärt Udo Kuhlmann.

Foto: IGM GH

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