Eindeutiges Signal an die Konzernspitze in Spanien

Eindeutiges Signal an die Konzernspitze in Spanien

Jeco-Belegschaft unterstützt Alternativen ihres Betriebsrates

Aus der Mitte der Versammelten kam die Aufforderung: „Wer für die Alternativen des Betriebsrates zum Arbeitsplatzerhalt und gegen die Schließungspläne des Konzerns ist, hebt jetzt die Hand!“ Prompt schossen die Hände der Beschäftigten in die Höhe. Eine klare Mehrheit signalisierte den spanischen Anteileignern unmissverständlich: Wir werden für unsere Alternativen weiterkämpfen.

Zuvor hatte die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader in der Jeco-Versandhalle hervorgehoben: „Keiner von uns kann und will die Konzernpläne zur Standortschließung akzeptieren.“ Deshalb hätten sich die Betriebsratsmitglieder mit Unterstützung der arbeitnehmernahen Beratungsgesellschaft PCG (Essen) und der Gewerkschaft auf den Weg gemacht, um Alternativen zur existenz-vernichtenden Konzern-Planung zu erarbeiten. Schließlich seien nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Familienangehörigen betroffen.

Dass dieser Ansatz kein „Wolkenkuckucksheim“ ist, belegte im Anschluss PCG-Berater Julian Giersch mit harten Fakten: In 2014 wurden die Umsatzerlöse um 13 %, die Wertschöpfung der Beschäftigten um 14 % und der Mehrwert pro Mitarbeiter um 26% erhöht. Das Jahresergebnis habe sich deutlich verbessert, trotz erhöhter Kosten für Fremdbearbeitung. Giersch: „Jeco hat sich durch euren Einsatz eindeutig verbessert.“ Deshalb sei es umso unverständlicher, dass diese positive Entwicklung durch die geplante Standortschließung beendet werden solle.

Das sei die Ausgangsbasis für die gewerkschaftliche Interessenvertretung gewesen. Die Beteiligten hätten sich die Frage gestellt: Welche Arbeitsplätze können durch die „Ausrichtung auf die Kernfähigkeit von Jeco“, „Erhöhung der täglich bearbeitbaren Tonnage“ und „Beseitigung der aktuellen Totschlagkriterien“ erhalten werden. Die gemeinsam erarbeiteten alternativen Ideen seien „machbare Vorschläge“ mit denen der Standort gesichert werden könne.

Kollege Aydogdu Karakaya, Mitglied im Betriebsrat, erläuterte die Eckpunkte „Jeco Neu“. Fest stehe, dass sich die Geschäftsführung und die Konzernspitze beharrlich weigern, Geld in die Hand zu nehmen, um den Investitionsstau in der Schmiede zu beseitigen. Deshalb kommen die Schmiede und der Gesenkbau in den alternativen Überlegungen des Betriebsrates nicht vor. „Wir haben uns auf die mechanische Bearbeitung, die Qualitätssicherung und den Versand konzentriert“, sagte Karakaya.

Durch die Einsparung eines zweistelligen Mio. Euro-Betrages habe die Produktion in Gevelsberg mit rund 88 Beschäftigten eine Zukunftschance. Für rund 30 Beschäftigte müssten Alternativen gefunden bzw. ein Sozialplan abgeschlossen und eine Beschäftigungsgesellschaft gegründet werden.

„Wie sicher diese Arbeitsplätze seien? Was wird mit denen, die gehen müssen? Hat der Spanier überhaupt noch Interesse weiter zu machen? Wie steht die Geschäftsführung zu den Überlegungen? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der lebhaften Debatte, die immer wieder durch Beifall unterbrochen wurde, wenn es um die Alternativen ging.

Der anwesende Werksleiter Mick Wabbals führte aus, dass sie auf der Chef-Etage von den Vorschlägen „positiv überrascht“ worden seien. Die Geschäftsführung prüfe sie ernsthaft und berate darüber, wie sie eventuell „ergänzt werden können“, bevor sie nach Spanien weitergeleitet werden. Die IG Metall-Bevollmächtigte bestätigte, dass sich die Geschäftsführer Burkard Rausch und Rolf Wirfler bei der Entgegennahme der Eckpunkte ähnlich geäußert hätten.

„Es gibt jetzt eine klare Alternative: Entweder Standortschließung und Null Arbeitsplätze oder rund 90 Arbeitsplätze und das Werk Gevelsberg bleibt erhalten“, betonten Aydogdu Karakaya und Clarissa Bader, bevor die Betriebsversammlung erneut unterbrochen wurde, und: „Dafür lohnt es sich zu kämpfen!“ Dass die Kollegen diese Auffassung teilen, unterstrichen sie durch ihren abschließenden Applaus.

 

Foto: Jeco-Beschäftigte hören sich die Alternativen ihres Betriebsrates an  Foto: IGM-GH

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