Engagierter Streiter für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen

Engagierter Streiter für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen

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Wir gedenken: Harald Kriwett

Die IG Metall Gevelsberg-Hattingen betrauert den Tod von Harald Kriwett, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender der Firma Hauhinco in Sprockhövel. „Wir haben einen engagierten Gewerkschafter und Kämpfer für soziale Gerechtigkeit verloren,“ so Clarissa Bader, erste Bevollmächtigte der IG Metall Gevelsberg-Hattingen. Für ihn waren Gewerkschaften das wichtigste, was Arbeitnehmer*innen haben.

Es war im September 1987 als sich zehn Betriebsratsvorsitzende der Bergbau-Zulieferer in Hattingen und Sprockhövel mit der Erklärung „Unsere Zukunft: Arbeitsplätze für die Region!“ an die Öffentlichkeit wandten. Einer von ihnen war Harald Kriwett, Betriebsratsratsvorsitzender der Firma Hauhinco in Sprockhövel. Der langjährige IG Metaller und die Betriebsräte sahen die Arbeitsplätze gefährdet und forderten Maßnahmen zur Umstellung der Produktion und die Durchführung von Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten. Für das Mitglied des Ortsvorstandes der IG Metall Hattingen stand fest: „Wir sind nicht das soziale Aufräumkommando für eine falsche Unternehmenspolitik.“

Der 1943 in Hattingen geborene Harald Kriwett, durchlebte wie viele seiner Generation schwere Kindheitsjahre im westfälischen Stüter. „Wir waren arm, hatten Hunger. Wir Kinder mussten die Kleidung der älteren Geschwister auftragen, bei den Schuhen war das besonders problematisch,“ hat Harald die Nachkriegszeit selbst beschrieben. In der Berger-Schule in Oberstüter machte er seinen Schulabschluss. Da für den Besuch einer weiterführenden Schule das Geld nicht reichte, begann er in der Maschinenfabrik Hauhinco in Sprockhövel eine Lehre als Dreher. Gleich zu Beginn seiner Ausbildung am 1. April 1958 trat er in die IG Metall ein.

Harald wurde Dreher, weil ihm ein älterer Kollege geraten hatte, „dann kannst du Akkord arbeiten und Geld verdienen“. Er arbeitete an der großen Fräsmaschine und nach einer Weiterbildung am CNC-Bearbeitungszentrum. Schon während seiner Ausbildung wählten ihn seine Kollegen und Kolleginnen zum Jugendvertreter. Der damalige Betriebsratsvorsitzende Otto Gräbe unterstützte sein gewerkschaftliches Engagement: Der junge Metaller wurde Vertrauensmann. Schließlich wählten ihn die Beschäftigten 1978 erstmals in den Betriebsrat und Ende 1984 übernahm er das Amt des Betriebsratsvorsitzenden. Zu dieser Zeit waren in der Maschinenfabrik noch über 300 Arbeitnehmer*innen beschäftigt.

Der Gewerkschafter Kriwett engagierte sich für die Gleichbehandlung der Arbeiter beim Weihnachtsgeld, denn die Angestellten erhielten ein 13. Monatsgehalt als Sonderzahlung. Mitte der 1980er-Jahre musste er mit seinen Betriebsratskollegen im Konflikt mit der Geschäftsführung die 1. Stufe der erkämpften 35-Stunden-Woche umsetzen. Es kam zum Kompromiss: eine Mischung aus Freischichten und tägliche Verkürzung. Die Auswirkungen der Zechenschließungen im Ruhrgebiet traf auch Sprockhövel. Also stand wieder das Thema Beschäftigungssicherung im Raum: Auf den geplanten Personalabbau in den 1990er Jahren reagierten Betriebsrat, Vertrauensleute mit Unterstützung der IG Metall Hattingen mit der Entwicklung des „Zukunftskonzept Hauhinco“. Harald gehörte von 1987 bis 2000 sowohl der Delegiertenversammlung als auch der Ortsverwaltung an. Vor seinem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, bereitete er noch die Fusion der beiden IG Metall Verwaltungsstellen Hattingen und Gevelsberg mit vor.

Das aktive Fußballspielen hatte der Metaller aufgegeben. Doch los davon kam er nicht, also entschied er sich 1973 als Schiedsrichter die Spiele zu leiten, was er gerne getan hat. „Mein schwierigstes Spiel als Schiri war für mich die Begegnung „Ortsverwaltung gegen Ortsjugendausschuss der IG Metall Hattingen, auf dem Bolzplatz am Bildungszentrum Sprockhövel“, erzählte er einmal und fügte schmunzelnd hinzu: „Da gab es einen Bevollmächtigten, der natürlich nur Linksaußen spielen und alle fünf Minuten wegen seiner Raucherlunge aus- und eingewechselt werden wollte.“ Über das Ergebnis des Spieles deckte er den gnädigen Mantel des Schweigens.

Im Jahr 2003 wurde der IG Metaller von seinen Kolleginnen und Kollegen verabschiedet. Gesundheitlich angeschlagen, ist er aus dem Arbeitsleben bei Hauhinco ausgeschieden. Harald konnte leider nicht mehr alles realisieren, was er sich für den Ruhestand vorgenommen hatte. Doch mit seiner Frau Christel und Freunden hat es ihn immer wieder zu Kurzreisen in die neuen Bundesländer gezogen. Zu Hause in Bredenscheid wartete die „Arbeit“ in seinem großen Garten auf ihn.

Seine Familie hat einen wunderbaren Menschen und die IG Metall Gevelsberg-Hattingen einen engagierten Streiter für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen verloren.

Die Trauerfeier für unseren Kollegen Harald Kriwett findet am Montag, 17. Februar 2020 um 14:00 Uhr in der Kapelle des Evangelischen Friedhofes in Hattingen-Bredenscheid, Passstraße statt.

Foto: Der ehemalige Betriebsratsvorsitzende der Firma Hauhinco Harald Kriwett (M) mit Kollegen beim Warnstreik – IGM GH-Archiv