Erinnerung an den fantasievollen Kampf der Hattinger Stahlarbeiter

Erinnerung an den fantasievollen Kampf der Hattinger Stahlarbeiter

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Egon Stratmanns "Zwei Schmelzer"

Im Jahr 1987 hat es keine Demonstration der Hattinger Stahlarbeiter gegeben, bei der nicht die beiden IG Metaller August Kuhnert und Rainer Sieler in der Schutzkleidung der Hochöfner vorweg gegangen sind. In ihren silbernen Mänteln und dem Helm mit Schutzblende flankierten sie Gewerkschafter und Politiker an den Rednerpulten auf Kundgebungen der IG Metall. Nun stehen „Zwei Schmelzer“ auf dem Marktplatz in Hattingen-Welper. „August und Rainer“ hat der Künstler Egon Stratmann die beiden Skulpturen, die er erschaffen hat, benannt.

Zur Einweihung wurde bewusst der 18. Dezember gewählt, „denn an diesem Tag vor 32 Jahren um halb elf erfolgte der letzte Abstich am Hochofen III auf dem Hüttengelände“, so Bürgermeister Dirk Glaser vor der Enthüllung der Skulpturen. Sie sollen an das Ende der 133-jährigen Geschichte von Hattingen als Stahlstadt erinnern und vom fantasievollen Kampf der Stahlarbeiter*innen erzählen. „Ein (zwölfmonatiger) Kampf, der Schlagzeilen und Fernsehsondersendungen provozierte, selbstgefällige Politiker und scheinbar allmächtige Politiker unsicher machte“, schrieb damals der Journalist Lutz Heuken.

 

Foto: August Kuhnert (l) und Rainer Sieler (r) mit dem Hattinger IG Metall Bevollmächtigten auf dem Untermarkt in Hattingen Foto: Manfred Vollmer

 

Die Skulpturen „Die Schmelzer“ sind ein Teil der persönlichen Biografie des Blankensteiner Egon Stratmann. Wie kein anderer Künstler hat er die Blütezeit und das allmähliche Sterben der Hütte im Ruhrtal begleitet. In seiner Rede vor den Gästen berichtete er von seinen ersten Eindrücken von der Hütte in den Tagen seiner Kindheit, von seinen Arbeiten zum Thema „Stahlstandort Hattingen und die Henrichshütte“ und den Gesprächen mit den Werkern beim Malen auf der Hochofen-Bühne. Die in 20 Jahren entstandenen Arbeiten zeigen einen Spannungsbogen von der Faszination der Technik bis hin zu seiner Parteinahme für die um ihre Zukunft kämpfende Belegschaft.

„Egon Stratmann ist ein Teil der Widerstandsgeschichte des Jahre 1987“, so der ehemalige Erste Bevollmächtigte Otto König, der sich erinnert: „Er überreichte uns sein Bild von ‚demonstrierenden Stahlarbeitern‘. Wir ließen es als Plakat mit dem Zusatz versehen „Hattingen muss leben“ drucken. Es wurde zum Symbol des Widerstandes und der Solidarität.“ Zwischen den Kulturschaffenden, die Flagge für ihre Stadt zeigten und den Stahlarbeitern habe sich in dieser Zeit eine produktive Zusammenarbeit entwickelt.

Im „Dorf des Widerstands“ brannte der Hochöfner und Gewerkschafter August Kuhnert gemeinsam mit seinem Kollegen Rainer Sieler seinen Schmelzeranzug heraus. Egon Stratmann begrub ihn unter einem vom Hüttenfeuer gezeichneten Tuch, Das Feuer, Symbol des Hochofens, der stillgelegt werden sollte, brannte herunter. Später ist im Funkenflug des abgegossenen Roheisens sein Werk „Fahnen des Widerstandes“ entstanden. Die „Zwei Schmelzer“ beenden nun das Werk des Künstlers zum Thema Henrichshütte. Nicht nur Egon Stratmann wünscht sich, dass sie mindestens „die nächsten hundert Jahre“ an diesen bewegten Teil der Industrie- und Gewerkschaftsgeschichte erinnern.

Fotos: Otto König und Egon Stratmann (r) bei der Einweihung der Skulpturen „Zwei Schmelzer“ – IGM GH

 

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