„Gegen Unrecht muss man sich wehren!“

„Gegen Unrecht muss man sich wehren!“

Dorma: Betriebsratsmitglied Florian Budnick

„Revolution Bildung“. Florian Budnick und seine MitstreiterInnen der IG Metall-Jugend treiben sie voran. Zuletzt in der Stadthalle Hagen: Über 300 Auszubildende setzten sich mit dem sperrigen Thema „Novellierung des Berufsbildungsgesetz“ (BBiG) auseinander. Zunächst skeptisch, begriffen sie sehr schnell, dass es nicht um trockene Materie, sondern ganz praktisch um ihre Ausbildung geht, ihre Forderungen nach existenzsichernder Ausbildungsvergütung, Erstattung von Fahrt- und Lernmittelkosten bzw. Übernahme nach Ausbildung im erlernten Beruf. Es waren junge Moderatoren wie Florian, die mit ihnen „ihr“ Berufsbildungsgesetz erarbeiteten. Später am Tag wurde es den anwesenden Politikern überreicht.

Florian Budnick, Anwendungstechniker und Betriebsratsmitglied beim Türschließer-Spezialisten Dorma in Ennepetal-Voerde, der zur dorma-kaba-Gruppe gehört, mischt von Anfang bei der Kampagne „modern. bilden“, die im vergangenen Jahr mit dem BBiG „Drive“ begonnen hat, mit. Er weiß aus eigner Erfahrung wie wichtig eine qualifizierte Ausbildung ist, gerade heute, wo mit der Digitalisierung der Industrie unter dem Schlagwort Industrie 4.0 neue Anforderungen auf die Beschäftigte zukommen. Dafür braucht es moderne gesetzlichen Regelungen und keine aus der „Mottenkiste des letzten Jahrhunderts“. „Dafür engagieren wir uns“, sagt Florian – entwickeln eigene Ideen, sprechen mit den betroffenen Azubis darüber, reden mit Bundestagsabgeordneten wie René Röspel (SPD) und Cemile Giousouf (CDU) und „erfahren, dass wir Einfluss auf Politiker nehmen können!“

Bei seiner Geburt 1986 war Florian Budnick sozusagen „aushäusig“ – in Schwelm. Aufgewachsen ist er in der Stadt der „Kluterthöhle“ an der Ennepe. Während Florian einerseits seine Art „als zurückhaltend“ beschreibt, merkt er andererseits verschmitzt an, dass er schon seit frühester Jugend „Probleme mit Autoritätspersonen“ gehabt habe, eine vornehme Umschreibung für inhaltliche Auseinandersetzungen mit Lehrern, spätestens an der Gesamtschule Haßlinghausen. „Vor allem wenn es ungerecht zugegangen ist, habe ich mich dagegen gewehrt.“

Dass Florian in seiner Freundesclique meist schnell „die Rädelsführerschaft“ übernahm und sich dennoch sehr früh für das Mannschaftspiel Basketball entschied, ist für den Gewerkschafter kein Widerspruch – natürlich kommt es auf das Team an, aber auch auf den einzelnen der den entscheidenden Punkt im Spiel macht. Da wundert es nicht, dass er mit 19 Jahren den Vorsitz der Turngemeinde Voerde 1862 übernahm, den er noch heute ausübt.

Mit dem Abitur in der Tasche, schnupperte Florian Budnick für eine kurze Zeit die „Atmosphäre in den Hörsälen“ an der Bergischen Universität Wuppertal. Relativ schnell wurde ihm klar, dass das nicht „sein Ding“ ist und er sich „doch mehr fürs Praktische interessiert“. So stieg er 2007 zunächst über einen „Aushilfsjob“ bei Dorma ein. Zwei Jahre später begann er eine Ausbildung zum Mechatroniker. Seit 2012 ist er im Bereich „Fluchtwegtechnik“ als Anwendungstechniker an der Schnittstelle zwischen Vertrieb, Kunde und Service tätig.

Es sei während der Tarifbewegung 2008 gewesen, da habe ihn ein Kollege in der Abteilung angesprochen von wegen „hast du schon mal was von der IG Metall gehört?“, schildert Florian wie er Gewerkschaftsmitglied wurde. Für ihn ein konsequenter Schritt, denn „nur viele können etwas bewegen“ wenn es um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen geht. Man sollte das auch „nicht anderen überlassen, sondern selbst aktiv werden“. 2010 wählten ihn die jungen KollegInnen in die Jugend- und Auszubildendenvertretung und vier Jahre später die Beschäftigten in den Betriebsrat der Firma mit der „roten Krone“ auf dem Voerder Berg.

Sein erster Kontakt als JAV’ler zum örtlichen Jugendausschuss der IG Metall Gevelsberg-Hattingen sei nicht gerade „ermutigend“ gewesen, erzählt der IG Metaller und lacht dabei. Aus „da gehe ich nicht mehr hin“ habe sich inzwischen ein aktives Mitmachen entwickelt, es waren „die gemeinsamen Inhalte, der Anspruch etwas zu bewegen“, die das vermeintlich ablehnende in den Hintergrund drängten. Die gemeinsamen Aktionen am 1. Mai, in den Tarifbewegungen, das Eintreten „gegen rechts“, die Erstellung eines Videos, um Jugendliche zu motivieren sich an der Bundestagswahl zu beteiligen, aber auch die Wochenend- oder Wochenseminare, all diese Aktivitäten sind politisch notwendig, machen Spaß und „schweißen zusammen“, meint das junge Betriebsratsmitglied, das im Betrieb u.a. „im Weiterbildungsausschuss mitarbeitet und die JAV betreut“.

Und da ist noch sein kommunalpolitisches Engagement. Beim Einsetzen für die Interessen seiner SportlerInnen blieb es nicht aus, dass er mit den politischen Repräsentanten seiner Heimatstadt ins Gespräch kam. Er solle doch mal vorbei kommen, hieß es in der SPD, dann könne man „seine Anliegen diskutieren“. Es blieb nicht bei der Diskussion: Er wurde Mitglied der Partei, mit deren Politik auf Bundesebene er heute hadert, ließ sich als Kandidat zum Stadtrat nominieren und wurde 2014 für sechs Jahre ins Ennepetaler Kommunalparlament gewählt. Hier engagiert er sich nicht nur im Sportausschuss, sondern da für ihn Arbeitnehmerinteressen sehr wichtig sind, auch im Bereich der „Stadt- und Wirtschaftsförderung“.

„Ja, mehr sportliche Aktivitäten täten ihm gut“, meint Florian als wir auf das Thema Freizeitgestaltung kommen, aber schließlich sei er als TG Voerde-Vorsitzender immerhin „gedanklich und praktisch“ für Sport zuständig. Für ihn sei es sehr erholend „im Kreis seiner Freunde abzuhängen“, essen oder gemeinsam ins Kino zu gehen – also Spaß zu haben, und, schiebt er nach, den habe er „auch bei den gemeinsamen Wochenenden mit den jungen IG MetallerInnen“, das sei „entspannend und aufbauend zugleich“.

Florian Budnick, der sich nicht nur im Betriebsrat mehr Diskussionen über Inhalte und Lösungswege wünscht, kann dies nun auch in seinem neuen Betätigungsfeld einfordern und praktizieren: Die IG Metall-Mitglieder wählten ihn zum ersten Mal in die Delegiertenversammlung.

Foto: Florian Budnick (r.) auf der Demo gegen TTIP in Berlin 2015 – Foto: IGM GH-Archiv

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