„Ich war schon damals Revoluzzer!“

„Ich war schon damals Revoluzzer!“

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Ennepetal: Achim Hildebrand bei GHV verabschiedet

Achim Hildebrand beendet Ende des Monats sein Arbeitsleben. Es war durch das Schmieden geprägt. Seine ersten Erfahrungen an der Schmiedepresse bei CDP beschrieb er mal so: „Als ich nach der ersten Schicht die Zange fallen ließ und meine Handschuhe auszog, waren meine Hände übersät mit Blasen.“ Schließlich nahm er im Ende 1975 in der Gesenkschmiede Gebr. Halverscheidt (GHV) in Ennepetal, in der damals 185 Arbeitnehmer beschäftigt waren, die Arbeit auf.

Heute 40 Jahre später – in wenigen Monaten hätte er 40-jähriges Jubiläum – leitete der langjährige Betriebsratsvorsitzende der GHV Schmiedetechnik zum letzten Mal die Betriebsratssitzung. Es war seine letzte Amtshandlung. Auch wenn Achim sich nichts anmerken ließ, der „Abschied“ fällt ihm schon schwer. 1978 wählten ihn seine Kollegen zum ersten Mal in den Betriebsrat. Sich für andere einsetzen, gegen Ungerechtigkeiten Stellung zu nehmen, war immer seine Sache. „Ich war schon in der Lehre ein Revoluzzer, also verteidigte ich schon damals die Lehrlinge gegen die Willkür des Lehrherrn,“ erklärte mir mal Achim im Gespräch.

Es waren rasante „Berg- und Talfahrten,“ die Achim und seine KollegInnen in den letzten vier Jahrzehnten unterhalb der Hasper Talsperre erlebten. Die GHV’ ler waren um die Jahrtausendwende zweimal mit Insolvenzen konfrontiert. Gemeinsam kämpften die Beschäftigten mit ihrem Betriebsrat und ihrer Gewerkschaft für den Erhalt der Arbeitsplätze im Talsperrenweg. „Wir lernten: Betrieblicher Abwehrkampf und beschäftigungssichernde Alternativen bedingen einander,“ so Achim, und fügt hinzu: „Spätestens in diesen Auseineinandersetzungen erfuhren wir, wie wichtig die IG Metall für die Arbeiter und Angestellten ist.“

Die Schmiedewerker gründeten eine „Arbeitnehmerinitiative,“ entwickelten mit externer Unterstützung Modelle zur Fortführung der Produktion. 2004 gelang es Achim Hildebrand dem Beauftragten des Düsseldorfers Insolvenzverwalters Dr. Andres, Herrn Termath, der auch im zweiten Verfahren die Produktion fortführte, die dringend notwendige Investition für die große Presse P2 „aus den Rippen zu leiern.“ Damit schaffte die Firma den Schritt ins Titan-Geschäft. Das Kundenspektrum vom Fahrzeughersteller, Systemhersteller, in der Medizintechnik und Luftfahrtindustrie sowie im Maschinenbau, konnte gehalten und ausgebaut werden.

Foto_2_Warnstreik GHV
Im Jahr 2005 übernahm das Essinger Recycling Unternehmen Scholz AG, GHV. „Geschäftsführer haben wir ja viele gehabt und jeder meinte, er müsste das Rad neu erfinden“, merkt der scheidende Betriebsratsvorsitzende schmunzelnd an. Sie alle hätten lernen müssen, dass sich die Belegschaft im Hasperbachtal weder einschüchtern lässt, noch ihre Rechte abkaufen lässt. Das hat sich auch unter dem neuen Besitzer der indischen Amtek Group mit Sitz in Mumbai, nicht geändert. Einer der größten indischen Hersteller von integrierten Komponenten hatte im vergangenen Jahr die Scholz-Gruppe gekauft.

Achim Hildebrand freut sich auf seinen Ruhestand. Langweilig wird es ihm bestimmt nicht werden – bei seinem Hobby, das Malen von Bildern, beim Schlendern über Flohmärkte oder spazieren gehen um die Hasper Talsperre, gemeinsam mit seiner Frau Monika. Schließlich teilen sie auch noch die gemeinsame Begeisterung für den BVB!

Bild 1: Letzte Betriebsratssitzung bei GHV mit Achim Hildebrand (M.)
Bild 2: Warnstreik im Februar 2015 vor dem Betrieb
Fotos: IGM-GH

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