Jeco-Beschäftigte erhalten Unterstützung

Jeco-Beschäftigte erhalten Unterstützung

IG Metall: Übernahme-Angebot für Jeco eine „gute Option“

Der Journalist Klaus Bröking fragt in der WAZ, ob der sagenumwobene weiße Ritter nach Gevelsberg gekommen ist, um die Gesenkschmiede Jeco in letzter Sekunde zu retten? Nun weiß man, dass Sagen auf phantastischen Ereignissen beruhen, die meist mit realen Begebenheiten nur wenig zu tun haben, jedoch mit Personen- und Ortsangaben verbunden sind, durch die der Eindruck eines wahren Berichts entsteht.

Insoweit ist es mehr als angebracht, wenn die Erste Bevollmächtigte Clarissa Bader in dem „ernsthaften“ Angebot von Frank Jürging zur Übernahme von Jeco „ eine Option“ sieht, der sie mit „Hoffnung, aber ohne Illusionen“ begegnet. Der Ur-Enkel von Julius Jellinghaus, der das Unternehmen vor 130 Jahren an der Feldstrasse gestartet hat, begründet seine Übernahme-Absichten mit der „emotionalen Betroffenheit“, nach dem er und seine 87-jährige Mutter vom Stilllegungsbeschluss des Eigentümers CIE Mahindra Forge Europe erfahren haben.

Jürging und sein Partner Christian Borsche, Eigentümer dreier Gesellschaften u.a. der Westfälischen Eisen- und Stahl-Handelsgesellschaft m.b.H. in Schwelm, nahmen nicht nur Kontakt zum Mahindra-Vorstand auf, sondern auch zur IG Metall in Gevelsberg. „Beide wissen“, sagt Clarissa Bader, „dass in solchen schwierigen Prozessen die Gewerkschaft ein wichtiger Gesprächspartner ist.“ Nach einer persönlichen Unterredung mit den „Übernahme-Interessenten schätzt die IG Metallerin ein, dass diese „seriöse Absichten“ verfolgen.

Der IG Metall gehe es gemeinsam mit der Belegschaft und ihrem Betriebsrat vorrangig um den Erhalt des Standortes. „Dafür kämpfen wir seit vier Monaten“, erklärt die Gewerkschafterin. Die Ausgestaltung der „künftigen Produktion“ werde Bestandteil künftiger Gespräche. Die von der WAZ zitierte Jürging-Aussage, dass er bereit sei „für den Erhalt von Jeco zu kämpfen“, weil u.a. in „unmittelbarer Nähe von Freizeiteinrichtungen wie Schwimm in und Stadion Stefansbachtal kein zweites Hünninghaus entstehen dürfe“, falle deshalb bei der gewerkschaftlichen Interessenvertretung auf fruchtbaren Boden.

Der Ball liege nun, nach dem „harschen Nein“ der Spanier, zu dem vom Betriebsrat und Teilen der Belegschaft ausgearbeiteten Alternativkonzept, erneut wieder in dessen Spielfeld. Bader: „Die Konzernspitze im baskischen Bilbao wäre gut beraten, das Angebot der Übernahme-Interessenten zu Verhandlungen anzunehmen.“ Es wäre geradezu verantwortungslos, die sich auftuenden Alternativen nicht ernsthaft zu überprüfen und stattdessen die „hohen Kosten der Betriebsschließung in Kauf zu nehmen.“ Der Konzern stehe weiterhin vor der Entscheidung, ob er sich zu „seiner sozialen Verantwortung bekennt“ oder sich von Gevelsberg mit einer „Politik der verbrannten Erde“ verabschieden will.

Positiv bewertet Clarissa Bader die unterstützenden und vermittelten Aktivitäten des Bürgermeisters Claus Jacobi, der klar zum Ausdruck gebracht hat, dass die Stadt Gevelsberg am Gewerbestandort Feldstrasse festhalte und „die baurechtlichen Bedingungen weiter bestehen bleiben.“ Die Position, dass „industrielle Arbeitsplätze in der Stadt an der Ennepe erhalten bleiben müssen“, machte Claus Jacobi schon in der außerordentlichen Ratssitzung gegenüber der Belegschaft deutlich. Das wird von der IG Metall klar begrüßt.


Foto: Jeco’ aner demonstrieren zur Betriebsversammlung – Foto: IGM GH-Archiv

ÄHNLICHE ARTIKEL

38

44