Jeco-Geschäftsführer fahren Crash-Kurs

Jeco-Geschäftsführer fahren Crash-Kurs

Gevelsberg: Verhandlungspartner IG Metall rausgeworfen

Die Nervosität in den Reihen der Geschäftsführung der Gesenkschmiede Jeco-Jellinghaus in Gevelsberg nimmt zu. Es gelingt ihnen nicht, den im spanischen Bilbao diktierten Stilllegungsbeschluss des Standortes Gevelsberg mal eben so im Schnellgang zu vollziehen. Der „Flurfunk“ im Betrieb besagt, dass Rausch & Co. deshalb zum Rapport in die Konzernzentrale einbestellt wurden. Nur so ist zu erklären, dass Geschäftsführer Rausch plötzlich einen Crash-Kurs gegen die Verhandlungspartner, Betriebsrat und IG Metall fährt.

Ordnungsgemäß lud der Betriebsrat für kommenden Dienstag die Belegschaft zur Betriebsversammlung ein. Die Geschäftsführung wurde informiert. Daraufhin rief der Arbeitgeber provokativ zu einer kurzfristigen „arbeitgeberseitigen Info“ am vergangenen Freitag ein. Warum, wurde spätestens klar, als Geschäftsführer Burkard Rausch unter Ausnutzung seines „Hausrechtes“ den anwesenden IG Metall-Gewerkschaftssekretär Sven Berg des Raumes verwies. Daraufhin verließen mit ihm die Betriebsratsmitglieder und große Teile der Belegschaft demonstrativ die Versammlung. „So reagiert nur, wer nicht bereit ist, die gesetzlich verbrieften Rechte der Arbeitnehmer und ihrer gewerkschaftlichen Interessenvertretung zu respektieren“, kommentiert zurückhaltend Sven Berg den „Tritt ins Fettnäpfchen“ der Arbeitgeberseite.

Warum dieser Kamikaze-Kurs?

Was war der Anlass für diesen Kamikaze-Kurs? Gab es vertrauliche Informationen, die nicht nach draußen dringen sollten? Weit gefehlt! Wie Teilnehmer der Versammlung berichteten wiederholte Mahindra-Vorstandsmitglied und einer der Jeco-Geschäftsführer Burkard Rausch nur gebetsmühlenartig seine Aussage, dass sich an den Schließungsplänen nichts ändere: „Die Entscheidung steht fest!“

Doch dann wurde klar, worum es wirklich ging: Rausch versuchte die Beschäftigten gegen ihren Betriebsrat und die sie unterstützende IG Metall in Stellung zu bringen. Er wollte den arbeitgeberseitig angedachten Stufenplan zur Abwicklung des Standortes zum Thema machen. „Die haben immer noch nicht begriffen, dass das erst im Zusammenhang mit den zu verhandelnden Interessenausgleich eine Rolle spielt“, kritisiert der Betriebsratsvorsitzende Michael Jaenecke das Verhalten der Geschäftsführung und fügt hinzu: „Ob sie wollen oder nicht, sie müssen sich mit uns, dem Betriebsrat und der IG Metall an einen Tisch setzen und verhandeln, auch über Alternativen zur existenzvernichtenden Standortschließung.“

Betriebsversammlung in der Aula „Alte Geer“

Von der Verkündigung „ex cạthedra“, Gevelsberg auf jeden Fall dicht zu machen, lassen sich Michael Jaenecke und seine Mannschaft nicht entmutigen. So geht man nicht mit Menschen um. Das werden sie am Dienstag, 12.05.2015, in der Betriebsversammlung deutlich machen. „Hier haben wir Hausrecht und deshalb wird auch unsere Gewerkschaft Stellung nehmen“, so der Betriebsrat, der auch über erste Überlegungen der arbeitnehmernahen Beratung der Essener PCG berichten wird.

Die Geschäftsführung hat sich prophylaktisch aus Zeitgründen (?) abgemeldet, so die offizielle Begründung. Oder sie sind noch nicht vom Rapport aus dem Baskenland zurück. Auf jeden Fall steht fest: Um 12 Uhr werden die Beschäftigten von der Firma in der Feldstrasse gemeinsam zum Veranstaltungsort Aula „Alte Geer“ ziehen.

Foto: Abteilungsversammlung bei Jeco im März 2015   – Foto: IGM GH.-Archiv

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