„Jeco Jellinghaus darf nicht sterben!“

„Jeco Jellinghaus darf nicht sterben!“

Gevelsberg: Rat unterstützt Kampf der Jeco-Beschäftigten

Die Gevelsberger Stadtverordneten bekamen Besuch: Schon lange waren nicht mehr so viele ZuhörerInnen zu einer Ratssitzung gekommen. Unter ihnen die neunjährige Emilia. Sie malte spontan ihr Schild „Jeco soll nicht schließen.“ Es war es für Bürgermeister Claus Jacobi ein „bewegender Moment“ als er die Jeco-Beschäftigten begrüßte, die mit ihren Frauen und Kindern auf der vollbesetzten Zuschauer-Tribüne und im Ratssaal Platz nahmen. Alle Rats-Fraktionen, so Jacobi, hätten die Entscheidung der Mahindra Forging Europe Jeco stillzulegen mit Entsetzen und großer Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Das Stadtoberhaupt beklagte „die rüde Vorgehensweise“ der Konzernspitze und den „unwürdigen Umgang mit den Betroffenen und ihrem Betriebsrat.“ Nachdem er die Solidaritätserklärung des Rates der Stadt Gevelsberg verlesen hatte, brandete im Sitzungssaal langanhaltender Beifall auf.

Foto 2_Claus Jakobi_Michael Jaenecke_Clarissa Bader
Als der Betriebsratsvorsitzende das Wort ergriff und schilderte wie sie den „Schwarzen Freitag“ im Betrieb erlebten, hätte man im Saal eine Stecknadel fallen hören. Eindringlich formulierte Michael Jaenecke: „Ja, es geht um 164 Arbeitsplätze. Doch tatsächlich geht es um die Existenz von über 500 Menschen, denn zu jedem von uns Beschäftigten gehört eine Frau oder ein Mann und mindestens ein Kind.“ Alle seien in ihrer Existenz bedroht und bangten um ihre Zukunft.

Die Interessenvertretung hätte in den vergangenen Monaten immer wieder von der Geschäftsführung wissen wollen, „wohin die Reise gehe?“ Entweder seien ihre Anfragen abgewimmelt worden oder „wir hörten nur Ausflüchte.“ Er und seine KollegInnen wüssten, dass „vor ihnen eine schwierige Zeit“ liege, gerade deshalb sei die Solidarität des Rates für sie so wichtig, „denn jetzt wissen wir, dass wir nicht alleine kämpfen,“ erklärte Michael Jaenecke unter starkem Applaus.

Die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader schilderte die weiteren Schritte, so u.a. die Ausarbeitung von „Alternativen zum Erhalt des Standortes“ mit Unterstützung der arbeitnehmernahen Beratungsgesellschaft PCG. Bader wies zurecht darauf hin, dass diese Arbeit „Zeit in Anspruch nimmt“ und mahnte deshalb Geduld an. Die GewerkschafterInnen könnten „jedoch jede fachliche und solidarische Unterstützung“ gebrauchen.

Bevor die Fraktionsvorsitzenden der im Rat vertretenen Parteien das Wort ergriffen, überbrachte SPD- Landtagsabgeordneter Hubertus Kramer eine Soli-Adresse des NRW-Arbeitsministers. Guntram Schneider drückte darin seine „große Sorge um den Erhalt von gewerblichen Arbeitsplätzen“ in der Stadt an der Ennepe aus und sagte seine „Unterstützung bei der Umsetzung von Alternativen“ zu.

Über alle Parteigrenzen hinweg und trotz unterschiedlicher politischen Nuancen – so geißelten
‚Die Linken‘ die „Politik der Heuschrecken“, die ‚SPD‘ forderte unter Berufung auf Artikel 24 der NRW-Landesverfassung das „Verbot von Betriebsschließungen,“ während sich die bürgerlichen Parteien CDU und FDP zurückhielten – verurteilten die Ratsmitglieder einstimmig die „beabsichtigte Ad hoc-Schließung von Jeco“ und die „Missachtung von Arbeitnehmerinteressen.“ Sie erklärten ihre Solidarität mit der Belegschaft und den betroffenen Familien.

Foto 3_Beschäftigte +Familienangehörige im Ratssaal
Die Stadtverordneten forderten die Konzernleitung auf, mit dem Betriebsrat und der IG Metall in „konkrete Gespräche zur Entwicklung eines Alternativkonzeptes zur Rettung des Standortes“ einzutreten; alle Schritte zur „Schwächung des Standortes“ wie Abzug von Maschinen zu unterlassen und stattdessen mit der Stadtverwaltung und deren Fachbehörden über die „Rahmenbedingungen zur Steigerung der Produktionsfähigkeit und Effektivität des Standortes“ zu sprechen.

„Alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt und der Region fordern wir auf, sich unserem Solidaritätsappell anzuschließen,“ heißt es in der Resolution. Dieser einstimmig gefasste Beschluss muss in den kommenden Wochen gemeinsam gelebt werden – beispielsweise durch Solidaritätsbekundungen für die Belegschaft an die E-Mail-Adresse br@jeco.de und durch die Teilnahme an kommenden Aktionen der Beschäftigten.

Foto 4_Stadtverordnete + Beschäftigte auf der Tribüne

Foto 1: Der Wunsch der neunjährigen Emilia
Foto 2: Im Gespräch Bürgermeister Claus Jacobi (2.v.l.), Betriebsratsvorsitzender Michael Jaenecke und IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader
Foto 3: Beschäftigte und Familienangehörige im Ratssaal
Foto 4 : Stadtverordnete und Jeco-Beschäftigte auf der Tribüne
Alle Fotos: IGM-GH

 

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