„Jetzt kommt Dampf auf den Kessel“

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Gevelsberg: 1.600 IG Metaller machen Druck

Das nasskalte Wetter hielt die IG MetallerInnen aus über einem Dutzend Metall-Betrieben nicht davon ab, den Arbeitgebern deutlich zu signalisieren: „Eure Magerkost von 2,2 Prozent ist eine Provokation“. Aus Ennepetal, Hattingen, Schwelm und Volmarstein kamen 1.600 Kolleginnen und Kollegen mit Bussen nach Gevelsberg. Zuvor waren sie in den Betrieben in einen mehrstündigen Warnstreik getreten.

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Bewaffnet mit Transparenten, Fahnen und Trillerpfeifen demonstrierten sie durch die Gevelsberger Innenstadt. Begleitet von einer Trommler-Gruppe forderten sie lautstark 5,5 Prozent mehr Lohn. Jung und Alt, Frauen und Männer, deutsche und ausländische KollegInnen brachten ihren Protest auf die Straße. „Wir wollen mehr“, schallte es durch die Straßen auf dem Weg zum Vendomer-Platz.

„Von hier aus geht heute die Botschaft an die Arbeitgeber: Werden sie vernünftig und hören sie auf, sich nach Gutsherrenart aufzuspielen“, sagte die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa
Bader zur Begrüßung auf dem Kundgebungsplatz. Das sogenannte „Lohnangebot“ von 2,2 Prozent für zehn Monate, zwei Monate für keinen Cent mehr, sei eine Kampfansage. Die lautstarken Pfui-Rufe der Protestierenden zeigten, was sie von dem Arbeitgeber-„Angebot“ halten. Die Gewerkschafterin forderte unter Beifall die Metall-Arbeitgeber auf „endlich konstruktiv zu verhandeln“. Selbst die Europäische Zentralbank und die Bundesbank forderten kräftige Lohnerhöhungen. Das müssten die Unternehmer in der Metallindustrie doch endlich kapieren.

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Dass die MetallerInnen bereit sind für ihre Forderungen zu kämpfen, zeigten der Beifall und die Stimmung auf dem Vendomer-Platz. Auf positive Resonanz bei den TeilnehmerInnen stieß, dass der Betriebsratsvorsitzende Damianos Koukoudeas (Hesterberg) bevor er auf die Tarifrunde einging, deutliche Worte zu den ausländerfeindlichen Aktivitäten von Pegida und ihren Mini-Ablegern fand. Als völlig unzureichend bezeichnete der 2. Bevollmächtigte das Angebot zur Altersteilzeit. Koukoudeas machte klar: „Wir wollen faire Ausstiegsoptionen für unsere KollegInnen, die jahrzehntelang im Betrieb geschuftet haben.“ Die Politik der Arbeitgeber „nur Menschen loszuwerden, die krank und kaputt sind, machen wir
nicht mit.“

Volle Solidarität mit den älteren Beschäftigten demonstrierten die Mitglieder des Jugendausschusses der IG Metall. Sie schleppten sich mit Rollatoren auf die Bühne, um zu demonstrieren, unter diesen Bedingungen wollen wir nicht arbeiten. Daniel Irschei von Thyssen Krupp Bilstein unterstrich, dass sich die Generationen nicht gegeneinander ausspielen lassen: „Wir, die Jugendlichen kämpfen für unsere Ausbildungsvergütung genauso wie für die Fortsetzung der Altersteilzeit“.

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„Unsere Forderungen sind fair, sind gut, sind richtig“, rief Robert Fuß von der IGM-Bezirksleitung den Warnstreikenden zu. Das Echo war eindeutig: „Wir wollen mehr“, schallte es mehrfach über den Platz zurück. Die „unverbindlichen Erklärungen der Arbeitgeber über Bildungsteilzeit für Un- und Angelernte“, kritisierte Fuß als „verantwortungslos“. Der Gewerkschafter forderte von den Arbeitgebern Zukunftschancen für die Beschäftigten. Insgesamt sei das Arbeitgeberangebot ein „grobes Foul gegen die Gerechtigkeit“. „Eure heutige Arbeitsniederlegung ist ein klares Signal an die Arbeitgeber: „Das ist kein Angebot“, so Robert Fuß. Die IG Metall habe drei Forderungen aufgestellt und „für alle drei Forderungen wollen wir akzeptable Ergebnisse“.

Demonstration und Kundgebung der MetallerInnen in Gevelsberg Fotos: IGM-GH

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