Kampf um Arbeitsplätze prägt Mai-Kundgebung

Kampf um Arbeitsplätze prägt Mai-Kundgebung

Gevelsberg: 800 GewerkschafterInnen auf der 1. Mai-Kundgebung

Die Vernichtung von Arbeitsplätzen und die solidarische Gegenwehr der Betroffenen standen im Mittelpunkt der 1. Mai-Kundgebung des DGB in Gevelsberg. Sowohl in der Begrüßung der IG Metall-Bevollmächtigten Clarissa Bader, als auch in der anschließenden Diskussionsrunde mit Betroffenen und in vielen kleinen Diskussionsrunden waren die geplante Stilllegung der Gevelsberger Gesenkschmiede Jeco sowie des Textiletikettenproduzenten Avery Dennison in Sprockhövel heiß diskutierte Themen. Aber auch über mögliche Auswirkungen der am Vortag bekannt gewordenen Fusion der Ennepetaler Firma Dorma mit der Schweizer Aktiengesellschaft Kaba wurde gesprochen und war Gesprächsthema auf dem Vendomer-Platz, auf dem sich rund 800 Teilnehmerinnen, unter ihnen der Landrat Arnim Brux und Bürgermeister aus EN-Städten, versammelt hatten.

Clarissa Bader bezeichnete die Einführung des Mindestlohns und der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren als erste richtige Schritte. Die Forderung „Die Rente mit 67 muss weg“, bleibe weiter bestehen. Den Korrekturwünschen der Arbeitgeber beim Mindestlohn, erteilte Bader eine deutliche Absage. Stattessen forderte sie von der großen Koalition in Berlin die Begrenzung von Leiharbeit und Werkverträgen. Betriebsräte müssten ein Vetorecht gegen Leiharbeit und Werkverträge erhalten: „Nur durch mehr Mitbestimmung wird dem Missbrauch und der Willkür in der Arbeitswelt Einhalt geboten“, sagte die Gewerkschafterin.

Bader verurteilte unter dem Beifall der Versammelten, den um sich greifenden Rassismus gegen ausländische MitbürgerInnen und Flüchtlinge und fügte hinzu: „Zehntausende von Menschen sind wegen der Abschottung Europas im Mittelmeer ertrunken.“ Deutschland müsse ein freies, weltoffenes Land sein und bleiben und dürfe sich nicht durch eine menschenverachtende Abschottungspolitik hervor tun.

In seinem Grußwort warb der DGB-Regionsvorsitzende Jochen Marquardt für eine breite Solidarität mit dem griechischen Volk. Mit einem klaren Votum hätten sich die Menschen Anfang des Jahres gegen die „brutalen Spardiktate der Troika“ entschieden, die ihr Land „an den wirtschaftlichen Abgrund geführt und die Bevölkerung in die Armut und ins Elend gestürzt hat“. Griechenland zu unterstützen, bedeute für einen politischen Kurswechsel im Interesse aller europäischen Arbeitnehmer einzutreten.

 

Foto 2_1.Mai Gevelsberg

Kampf um Arbeitsplätze
In der Gesprächsrunde auf der Bühne berichtete Betriebsratsvorsitzender Michael Jaenecke von der „Nacht- und Nebelaktion“ des spanischen Anteilseiger: Jeco soll stillgelegt und die Menschen in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. „Irgendwo hat jemand die Hand gehoben und damit war klar, dass Jeco geschlossen werden soll“, sagte er voller Zorn. Er schilderte die Sorgen und Nöte der Beschäftigten und ihrer Familien, aber auch, dass die Belegschaft die Entscheidung nicht hinnehmen will, sondern gemeinsam nach Alternativen suche und dafür kämpfen will.

Heide Medeke, stellvertretende Verdi-Vorsitzende im Bezirk Südwestfalen und AVU-Betriebsrätin beklagte: „Zehntausende von sehr guten Arbeitsplätze werden durch die Energiepolitik der Bundesregierung vernichtet.“ An das Versprechen der Politik, dass neue Stellen im Bereich der Umwelttechnologien geschaffen werden, kann Medeke nicht so recht glauben und befürchtet, dass auch heimische Energieversorger in der Krise mitgerissen werden.

Während das Betriebsratsmitglied Daniel Irschei, Vorsitzender des IG Metall-Ortsjugendausschusses, die Jugendlichen aufforderte, sich noch stärker als bisher in den Gewerkschaften für ihre Ziele, wie Übernahme und Bildung zu engagieren, erklärte einer der Sprecher der „Initiative Gewerkschafter für Frieden und Solidarität“, Thomas Birg: „Wir feiern am 8. Mai den 70-igsten Jahrestag, der Befreiung vom Faschismus.“ Deshalb müsse es jetzt heißen: Ja, zur Abrüstung, zu Rüstungskonversion und ziviler Konfliktbearbeitung! Nein zu Krieg, zu Gewalt und Hochrüstung! Birg rief zur Teilnahme an der Demonstration und Kundgebung am 9. Mai in Bochum auf.

 

Foto 3_1_Mai Gevelsberg 2015

Fest der Solidarität
Bevor die griechischen, italienischen. portugiesischen und türkischen Gruppen ihre Tänze darboten, servierte die Band „The Bow“ bekannte Hits der Rock-Musik. Gleichzeitig bruzzelte es an allen Ecken, wehten Düfte von gegrillten Fleisch und Sardinen über den Platz. Die Sonne meinte es gut, so blieben Bänke und Tische noch lange besetzt, mit diskutierenden Kolleginnen und Kollegen, die sich mit griechischen bzw. portugiesischen Wein oder einem türkischen Raki stärkten, nachdem sie sich an den Ständen der Gewerkschaften ver.di. GEW und IG Metall bzw. der VVN mit Informationsmaterial versorgt hatten.

 

Foto 4_1. Mai Gevelsberg 2015

Foto 1: 800 KollegInnen kamen zur Mai-Kundgebung
Foto 2: Diskussionsrunde Thomas Birg, Michael Jaenecke, Heide Medeke, Daniel Irschei und Clarissa Bader (v.l.n.r.)
Foto 3: Türkische Folklore-Gruppe
Foto 4: Diskussion auf dem Vendomer Platz
Alle Fotos: IGM-GH

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