„Kampfeslustig war ich schon immer“

„Kampfeslustig war ich schon immer“

Anke Bleicker: Stellv. Betriebsratsvorsitzende und Mitglied des Ortsvorstandes

Es schwingt schon Stolz darüber mit, wenn Anke Bleicker erzählt, dass es ihnen vor über einem Jahr gelungen ist, die Tarifbindung für die Beschäftigten wieder herzustellen. Was war geschehen: Im Jahr 2013 hatte sich die Geschäftsführung der Firma Burg F.W. Lüling KG in Volmarstein geweigert, die vereinbarten Tariferhöhungen umzusetzen. In den Gesprächen mit dem Betriebsrat platzte dann die Bombe: Es stellte sich heraus, dass die Firma fünf Jahre zuvor „aus dem Tarifvertrag geflohen war.“

Klammheimlich wechselte das Mitgliedsunternehmen des Metall-Arbeitgeberverbandes mit Tarifbindung in den OT-Verband, also ohne Tarifbindung. „Wir fielen aus allen Wolken“, sagt die stellvetretende Betriebsratsvorsitzende des Herstellers für intelligente Schließsysteme und fügt hinzu: „Das Arbeitgeberverhalten stieß bei der Belegschaft allerdings auf Gegenwehr.“ Die Beschäftigten forderten nicht nur mit einer Unterschriftensammlung ihre Tarifrechte ein, sondern machten auch beim Arbeitsgericht ihren Anspruch auf die Tariferhöhung rechtlich geltend.

Anke Bleicker: „Mit dem Druck unserer KollegInnen und der kompetenten Unterstützung unserer IG Metall haben wir uns die Tarifbindung wieder erkämpft.“ Es wurde ein Anerkennungs-Tarifvertrag abgeschlossen. Dieser Konflikt habe nicht nur die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder im Betrieb erhöht, sondern auch das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Belegschaft gestärkt, fügt Anke schmunzelnd hinzu. Die Delegierten wählten Anke vor kurzem in den Ortsvorstand – das Leitungsorgan – der IG Metall Gevelsberg-Hattingen.

Sie wurde im traditionsreichen Stadtteil Haspe der Stadt Hagen im südlichen Ruhrgebiet geboren. In einem Stadtteil, der über Jahrzehnte durch die „Hasper Hütte“ und „Zwieback Brandt“ geprägt wurde. Aufgewachsen ist sie im Stadtteil Eilpe. „In meiner Jugend begeisterte ich mich fürs Rollschuhfahren und kein Baum war vor mir sicher“, beschreibt Anke ihre „stürmische“ Jugendzeit. Nach dem Schulabschluss stellte sie nach einem kurzen Abstecher in den Einzelhandel schnell fest, dass hier nicht ihre Zukunft liegen würde.

Am 01. Juli 1987 nahm sie bei Burg Lüling im Gewerbegebiet am Nielande in Volmarstein eine Tätigkeit in der Zylinder-Montage auf. Es sollte „vorübergehend sein“, inzwischen wurden 28 Jahre daraus. Die Gewerkschafterin arbeitet heute im Bereich der Logistik. Es war der damalige Betriebsratsvorsitzende Diethelm Bode der sie 1990 nicht nur als Mitglied der IG Metall, sondern auch als Kandidatin für die Jugend- und Auszubildenvertreterwahl gewann.

Ihre Einstellung „Ungerechtigkeiten“ nicht zu akzeptieren, sich zu kümmern, wenn was „im Argen liegt“ und sich „für die Schwächsten“ im Betrieb einzusetzen, waren die Triebfeder für ihr Engagement zuerst in der Jugendvertretung und ab Mitte der 90er-Jahre als Mitglied im Betriebsrat. „Und kampfeslustig war ich ja schon immer“, meint Anke und lächelt dabei. Eine Haltung, die nicht nur für sie spricht, sondern die in den folgenden Jahren im Ringen um die Durchsetzung von Rechten im Betrieb dringend notwendig war.

Da war beispielsweise der Konfikt um die Bezahlung der „tariflichen 16-prozentigen Leistungszulage“. Die Geschäftsführung zahlte sie nicht an die Beschäftigten aus. Mit Hilfe der IG Metall bekamen die Kollegen ihr Geld, sogar eine mehrjährige Nachzahlung, was auf der anderen Seite schon zu einer „Schnappatmung“ geführt habe. Oder die Auseinandersetzung um geplante Entlassungen wegen Auftragsmangel. „Unsere Forderung nach Kurzarbeit statt Entlassungen wurde vom Arbeitgeber abgelehnt“, schildert Kollegin Bleicker. Schließlich setzte der Betriebsrat mit Hilfe der Einigungsstelle die Kurzarbeit doch durch.

In solchen Situationen ist sowohl der/die einzelne Arbeitnehmer/in bzw. der Betriebsrat auf die Gewerkschaft angewiesen. Davon ist die stellv. Betriebsratsvorsitzende zutiefst überzeugt. „Die IG Metall – das sind für mich vor allem unsere hauptamtlichen Gewerkschaftssekretäre vor Ort, die uns zur Seite stehen“, schiebt sie hinterher, wie aktuell bei der Bewältigung der Aufgabe, d.h. die Einbeziehung von 13 Beschäftigten in der bisher „eigenständigen“ Burg-Montage in die Regelungen des Tarifvertrages. Den Betroffenen würden sie in persönlichen Gesprächen klarmachen, dass sie das nicht „geschenkt bekommen“, deshalb sei es notwendig, sich in der IG Metall zu organisieren.

Ihren Stress baut Anke Bleicker „beim Joggen und beim Kraft-Training“ ab. Hier schöpft sie neue Kraft und gewinnt Ausdauer zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben. Stützen kann sie sich dabei auf Michael Skasa den Vorsitzenden und Karin Wehrmann die Schriftführerin des sieben-köpfigen Betriebsrates. Ein wichtiger Eckpunkt in ihrem Leben ist ihre Tochter Nina, die sich für das Studium des Faches Japanologie entschieden hat und sich für mehrere Monate nach Asien auf den Weg machen will. Und nicht zu vergessen: Da gibt es noch „blau-weiß“, also Schalke 04. Als treuer Fan musste sie in den zurückliegenden Monaten auch schon mal leiden, doch betont Anke: „Es kann nur aufwärts gehen!“

 

Foto: Anke Bleicker (M.) mit Clarissa Bader, IGM-Bevollmächtigte und Michael Skasa, Betriebsratsvositzender Burg Lüling im Bildungszentrum Sprockhövel – Foto: IGM-GH

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