Mehr Zeit – mehr Geld

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Metallindustrie eröffnet Tarifrunde 2015

Tarifrunde: Es geht los! – Wir wollen 5,5%! Foto: IGM GH-Archiv

In der Metall- und Elektroindustrie wird gleich zu Beginn des neuen Jahres über Löhne und Arbeitsbedingungen verhandelt. Drei Forderungen der Metaller/innen liegen auf dem Tisch: 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, Verbesserungen bei der Altersteilzeit und Einstieg in eine Bildungsteilzeit. „Die drei Elemente sind ein Paket, das wir uns nicht aufschnüren las-sen“, so die Erste Bevollmächtigte Clarissa Bader. Der Startknopf sei gedrückt, jetzt gelte es sich auf eine schwierige Auseinandersetzung vorzubereiten. Bader: „Die Tarifrunde 2015 wird kein Selbstläufer!“

Hauptpunkt der Tarifrunde 2015 für die 3,7 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektro-industrie ist die  Forderung nach Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5,5 Prozent Während die Metall-Arbeitgeber angesichts der schleppenden Konjunktur in Deutschland nur einen ge-ringen Spielraum für Lohnerhöhungen sehen, erkennen immer mehr Ökonomen und Banker die von der IG Metall propagierte Wirkung des privaten Konsums an.

Bildungsteilzeit – nicht Absichtserklärung, sondern als tarifvertraglich gesicherter Anspruch auf Freistellung für persönliche Fortbildung ist die zweite Forderung. Finanziell so ausge-stattet, dass auch Un- und Angelernte mit niedrigen Einkommen an Bildungsmaßnahmen teilnehmen können. Schon jetzt heizen die Arbeitgeber die Stimmung an: Es gebe kein Bedarf an tariflichen Regelungen zur Weiterbildung tönt es aus den AG-Verbänden.

Für die Weigerung der Arbeitgeber, tarifliche Regelungen zur Qualifizierung zu vereinbaren, hat die IG Metall-Bevollmächtigte kein Verständnis und erklärt: „Damit widersprechen sie ihrer eigenen Einschätzung, dass es künftig immer schwieriger wird, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Eine tarifliche Regelung zur Weiterbildung würde diesen Mangel entschärfen und für quali-fizierten  ArbeitnehmerInnen sorgen, schon deshalb müssten die Arbeitgeber ein Interesse daran haben mit der IG Metall zu einer Vereinbarung zu kommen.“

Die Neuverhandlung der Altersteilzeit – die dritte Tarifforderung – ist schon deshalb erfor-derlich,  weil die bisherigen Regelungen aufgrund gesetzlicher Änderungen außer Kraft treten. Das mag »technisch« klingen, doch auch hier stoßen wir auf gesellschaftliche Gegen-aufklärung. Das beginnt bei der abschlagsfreien Rente mit 63, die – zusammen mit dem Mindestlohn – von den »Wirtschaftsweisen« als Konjunkturkiller und Rezessionsschocker der Exportnation D beschimpft wurden.

Doch auch hier ist Lüge im Spiel. Beispielsweise, dass die Arbeit alternsgerecht gestaltet würde, sodass die Erwerbsquote in den älteren Jahrgängen steige – 92% der Betriebe haben einer IG Metall-Betriebsrätebefragung zufolge keinerlei Initiativen geschweige denn Investitionen in diese Richtung getätigt. Dagegen ist die vielleicht größte Bedrohung der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft eine soziale Bombe mit Spätzünder: bis 2030 sinkt das Rentenniveau gemessen am Nettoeinkommen auf 43% – abzüglich Steuern.

In einer Gesellschaft mit programmierter Altersarmut wird an vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben nicht mehr zu denken sein. Letzteres lässt sich mit einer Neuregelung der tariflichen Altersteilzeit selbstverständlich nicht korrigieren. Doch die  Tarifrunde kann mit der Sicherung flexibler Übergänge und sozial gestaffelter Aufstockungsbeiträge für einen Teil der Beschäftigten die sozial-politische Kompetenz der IG Metall für unter Beweis stellen.

Die erste Tarifverhandlung für die 700.000 Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen findet am 15. Januar 2015 in Siegen statt. Für Clarissa Bader steht fest: „Das wird eine harte Runde, deshalb ist die Mobilisierung in den Betrieben notwendig, um unsere  Tarifforderungen durchzusetzen.“ Nun gehe es darum Aktionsideen und -konzepte zu entwickeln, die den Tarifforderungen den nötigen Nachdruck verleihen. Dies soll u.a. auch auf einem gemein-samen Wochenendseminar Mitte Januar 2015 geschehen.  Warnstreiks sind nach Ende der Friedenspflicht vom 29. Januar an möglich.

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