Nelson-Beschäftigte in Gevelsberg demonstrieren

Nelson-Beschäftigte in Gevelsberg demonstrieren

von -
668

„Schließung – Nein danke!"

Nelson – Beschäftigte protestieren gegen die Vernichtung ihrer Arbeitsplätze Fotos: IGM GH

Das Transparent am Gebäude der Nelson Bolzenschweiß-Technik GmbH in Gevelsberg ist unmissverständlich: „Schließung – Nein danke!“ Und um ihrem Betriebsrat in dem am gleichen Tag stattfindenden Gespräch mit der Geschäftsführung den Rücken zu stärken, versammelten sich die Beschäftigten spontan vorm Firmeneingang. Begrüßt wurden sie dort nicht nur von ihrem Betriebsratsvorsitzenden Michael Schulze und der Vertreterin der IG Metall, Emel Cetin, sondern auch von Bürgermeister Claus Jacobi, der ihnen durch seinen demonstrativen Besuch „solidarisch den „Rücken stärken“ wollte und zugleich „die Unterstützung der Stadt Gevelsberg“ zu sagte.

Zwei Jahre sind es her, dass die US-amerikanische Stanley Black & Decker Inc. das Nelson Fastener Systemgeschäft (Produktpalette für das Bolzenschweißen) von der damaligen Anteilseignerin, der britischen Doncasters Group Ltd., gekauft hat. Das Bolzenschweiß-Geschäft für die Automobilindustrie ist aus „kartellrechtlichen Gründen“ unter dem Dach der Briten verblieben und wurde nach Breckerfeld verlagert. „Zwei Jahre haben sie die Zusage eingehalten, dass der Verkauf und die Aufteilung des Unternehmens keine Auswirkungen auf die Beschäftigten haben würde“, so der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Dietmar Rauer. Ende vergangenen Jahres sei der Belegschaft und ihrem Betriebsrat aus der deutschen Zentrale, der Stanley Tucker GmbH in Gießen, „plötzlich die Hiobsbotschaft“ übermittelt worden, der „Gevelsberger Standort werde stillgelegt, die Produktion nach Großbritannien und das Ersatzteilgeschäft nach Hessen verlagert.“

Bürgermeister Claus Jacobi (M) spricht zu den Nelson-Beschäftigten

Die Begründung für die Stilllegung der Produktionsstätte und den Kahlschlag von 55 Arbeitsplätzen lautete lapidar: „Gevelsberg häufe Verluste an und der Standort sei nicht mehr zu retten“, so Geschäftsführer Mario Bildat, der als CEO und Vice President Europe Operations sein Büro in Gießen hat und nur gelegentlich in Gevelsberg auftauchte. Genau hier verortet der Betriebsrat auch ein Teil der Probleme, warum der Standort in Schieflage geraten ist: „Keiner hat nach der Aufteilung richtig die Verantwortung übernommen und die notwendigen Schritte eingeleitet, um das Werk und die Arbeitsplätze an der Ennepe zu sichern“, kritisiert der Betriebsratsvorsitzende Michael Schulze.

Interessenvertretung erarbeitet „Alternatives Standortkonzept“

Das Betriebsratsgremium hat sich jedoch nicht mit der „Verlust-Folie“ der Geschäftsführung abspeisen lassen, sondern machte mit Unterstützung der IG Metall und Rechtsanwalt Lutz Ellinghaus von seinem Recht Gebrauch „wirtschaftliche Daten“ einzufordern, und diese von arbeitnehmernahen Berater*innen überprüfen zu lassen. Gemeinsam mit Julian Giersch von der Essener Project Consult GmbH (PCG) entwickelte die Interessenvertretung „Alternative Vorschläge“ zum Standorterhalt wie beispielsweise interne Prozessoptimierung, ein erweitertes Produktfolio und eine verbesserte Akquise.

Betriebsratsmitglieder informieren Bürgermeister Claus Jacobi

„Alle Vorschläge hätten bei einer etwas verminderten Anzahl an Beschäftigten dazu beigetragen, schwarze Zahlen am Standort zu schreiben“, sagte die Gewerkschaftssekretärin Emel Cetin im Gespräch mit Bürgermeister Claus Jacobi. Die Runde im Betriebsratsbüro stimmte in der Einschätzung überein: Wäre der Betrieb „mittelständisch aufgestellt“, wären die Chancen des „Überlebens“ größer; es sind die „Konzernstrukturen und Entscheider am grünen Tisch in den USA“, die die Umsetzung des „Alternativkonzeptes des Betriebsrates“ erschweren.

Claus Jacobi machte noch einmal deutlich, dass sich die Politik vor Ort in solchen „existentiellen Fragen der Beschäftigten und ihrer Familienangehörigen“ nicht wegducken dürfe, deshalb werde er bei den Fraktionen anregen, dass die Stadtverordneten im Rat der Stadt Gevelsberg eine „Solidaritätsadresse“ verabschieden, um ein „starkes Signal“ für den Standorterhalt in die Öffentlichkeit auszusenden.

ÄHNLICHE ARTIKEL