„…nicht kämpft, hat schon verloren!“

„…nicht kämpft, hat schon verloren!“

JECO Gevelsberg: Gespräch mit Michael Jaenecke

Eine 125 Jahre lange Industriegeschichte soll mit einem Federstrich ausgelöscht werden. Wenn es nach dem Aufsichtsrat der Mahrindra Forging Europe AG geht, wird die Gesenkschmiede an der Feldstraße in Gevelsberg im zweiten Halbjahr 2015 stillgelegt. Für den Betriebsratsvorsitzenden Michael Jaenecke und seine Kollegen eine Horrorvision. Die Schockstarre nach Bekanntgabe der Hiobsbotschaft hielt jedoch nicht an: „Die Kollegen gehen nicht mit gesenktem Kopf durch den Betrieb. Sie nehmen die Vernichtung ihrer Arbeitsplätze nicht kampflos hin,“ erklärt Michael, der vor 15 Jahren bei JECO anfing und im letzten Jahr das Amt des Betriebsratsvorsitzenden übernahm.

Michael und seinen neugewählten Kollegen im neunköpfigen Betriebsratsgremium verblieb im letzten Jahr kaum Zeit, um sich richtig einzuarbeiten. Kaum im Amt wurden sie mit den ersten Ergebnissen der „Kampftruppe Fernandez“ konfrontiert, die von der spanischen CIE Automotive ins Westfälische entsandt wurde, um Jeco mit der Anforderung einer Sanierung unter die Lupe zu nehmen. Doch dabei blieb es nicht: Sukzessive wurden vom Frühjahr 2014 bis Februar 2015 70 Beschäftigte abgebaut. Die Zahl der Beschäftigten sank von 226 auf 164. Gleichzeitig wurden rund 200 profitable Produktionsteile an andere Standorte der Schmiedegruppe verlagert.

Nachfragen des Betriebsrates „wohin die Reise geht?“ blieben unbeantwortet oder wurden abgeschmettert. Jaenecke: „Wir hegten schon längere Zeit den Verdacht, dass man unseren Standort scheibchenweise ausbluten lassen wollte.“ Die Vorschläge der Interessenvertretung hinsichtlich notwendiger Investitionen zur Sicherung des Standortes wurden ignoriert. „Natürlich wissen wir, dass moderne Pressen notwendig sind, statt reparaturanfälliger Hämmer, um Ausbringung und Produktivität zu erhöhen, zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit“, reagiert Michael Jaenecke verärgert.

Nachdem ihre Anfragen immer wieder unerwidert blieben, bzw. sie immer wieder mit nichtssagenden Floskeln abgespeist wurden, setzten sie in Absprache mit ihrem betreuenden IG Metall-Sekretär Sven Berg und mit Unterstützung des Rechtsanwaltes Lutz Ellinghaus der Geschäftsführung eine Frist. Am Donnerstag dieser Woche sollte nun dieses Gespräch mit den Geschäftsführern stattfinden. Doch stattdessen bat Geschäftsführer Burkard Rausch die Betriebsratsmitglieder am vergangenen Freitag kurzfristig zum Gespräch.

Lapidar teilte er ihnen mit, dass am Vortag die Stilllegung des Gevelsberger Werkes beschlossen worden sei. Dies wolle er gegen Mittag in einer von ihm einberufenen Versammlung den Beschäftigten mitteilen. Schnoddrig schob er hinterher: „Wir können in diesen Standort investieren, was wir wollen, wir haben hier keine Chance.“ (Siehe auch den Artikel v. 03.03.2015 auf dieser Seite)

Nach zahlreichen massiven Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz – ein respektloser Auftritt. Denn weder wurde der Betriebsrat rechtzeitig und umfassend über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, noch über die Planungen zur Zukunft des Standortes durch die Geschäftsführung informiert. Im Gegenteil: Die Verantwortlichen der Mahrindra Forging Europe und der spanische Anteilseigner CIE unternahmen alles, um den Standort „abschussreif“ zu machen und bereiteten klammheimlich hinter dem Rücken der Interessenvertretung die Schließung vor. Die in der Versammlung und gegenüber der Presse vorgebrachten Argumente sind Nebelkerzen, um die rechtswidrige „Nacht- und Nebelaktion“ zu verschleiern.

Die Mannschaft von Michael Jaenecke will jedoch nicht kampflos das Feld räumen. Sie machen sich den Spruch des Schriftstellers Bert Brecht zu Eigen: „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Michael Jaenecke ist sich sicher, dass er sich auf die Unterstützung seiner Kolleginnen und Kollegen verlassen kann und vor allem auf seine Gewerkschaft IG Metall.

„Gut tue die beginnende Unterstützung von außen“, erklärt mir Michael beim Verlassen des Betriebsratsbüros und fügt hinzu: „Solidarität ist für uns jetzt außerordentlich wichtig!“

Der Jeco-Betriebsratsvorsitzende Michael Jaenecke im Betriebsratsbüro Foto: IGM-GH

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