Nie wieder!

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Holocaust-Gedenktag

27. Januar 1945: Der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und Faschismus“ erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers (KZ) Auschwitz. An jenem Tag im letzten Kriegsjahr 1945 hatten sowjetische Truppen das KZ erreicht. Die Rote Armee konnte jedoch nur noch rund 7000 Überlebende befreien.

An diesem Tag wird der sechs Millionen ermordeten europäischen Juden gedacht, der Sinti und Roma, der Zwangsarbeiter*innen und den politischen Opfern des Nationalsozialismus – den Gewerkschafter*innen, Kommunisten und Sozialdemokraten, die von deutsche Nazis und ihre Schergen ermordet wurden. „Dieser Tag erinnert an die Ausrottung der Menschlichkeit, daran, wie aus der Humanität Nationalität und aus der Nationalität Bestialität wurde – und er macht, hoffentlich, unruhig, weil der Nationalismus sich schon wieder so furchtbar aufbläht“, schreibt Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung. (26.01.2019)

Der weitverzweigte Komplex des KZ Auschwitz, in dem allein mehr als eine Million wehrlose Menschen gedemütigt, gepeinigt, gefoltert und getötet wurden, gilt als abschreckendes Symbol des Nationalsozialismus. Die Holzbaracken, bergeweise Schuhe, Koffer und abrasierte Haare der Häftlinge erinnern auf dem ehemaligen KZ-Gelände an die deutsche Todesfabrik. In der der Mediziner und Kriegsverbrecher Josef Mengele menschenverachtende medizinische Experimente an Häftlingen und insbesondere Kindern vorgenommen hat. 

Die Nazis sahen nicht nur, aber auch in den Juden eine Stütze der sozialistischen Bewegung, sie verfolgten sie in Deutschland erstmals nach 1933 und dann unter deutscher Besatzung in den Nachbarländern Die völkermordähnlichen Massaker an jüdischen Kindern, Frauen, Männern begannen mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht am 22. Juni 1941 auf die Sowjetunion.

Heute, erinnert der Tag auch daran, dass der Thüringer AFD-Vorsitzende Björn Höcke das „Holocaust-Denkmal“ in Berlin als „Schande“ bezeichnet und der Vorsitzende der AFD Alexander Gauland die Bestialität der Nazis als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte verniedlicht hat. Zum ersten Mal nach der Befreiung Deutschlands vom Faschismus 1945, ist im Bundestag und in fast allen Landtagen eine Partei vertreten, in der „völkisch-nationalistische Parolen“ immer mehr Echo finden, und auf Versammlungen der AFD vor Begeisterung gejohlt wird, „wenn Nazi-Verbrechen verharmlost, Juden verhöhnt, Muslime verachtet, Türken als Kameltreiber beschimpft und Gemeinheiten über Flüchtlinge gesagt werden.“ (Heribert Prantl)

Jetzt wird sichtbar und sagbar, was schon immer da war: Rassismus und Antisemitismus. Der rechtsradikale Ungeist tobt als Shitstorm durch die Netzwerke und ist sogar in Polizeirevieren und in der Bundeswehr präsent. Einrichtungen, die über die Gefahr der Rechtsradikalen informieren, müssen sich auf einmal vor Rechtsaußen rechtfertigen. Demokraten, die sich um Opfer rechtsextremer Gewalt kümmern, werden bedroht. Und statt Paroli zu bieten, beginnen CDU-Landesregierungen in Ostdeutschland, die Förderung für solche Projekte einzustellen.

Auch deshalb darf das abscheuliche Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten nie vergessen werden. Unser Blick zurück darf aber nicht im Schrecken der Vergangenheit verharren, sondern muss nach vorne gerichtet sein und zugleich müssen wir bohrend fragen: Was können wir heute tun, um dieser besonderen Verantwortung gerecht zu werden?

Nach eigner Einschätzung wissen rund 40 Prozent der jungen Deutschen kaum etwas über den Holocaust. Es ist deshalb heute notwendiger denn je, jungen Menschen über diese Geschichte und ihre Auswirkungen zu informieren. Ihnen gilt es Geschichte zu vermitteln, dabei darf es nicht nur um „moralische Appelle“ gehen, sondern um die Vermittlung historischer Erfahrungen und Erkenntnisprozesse für die Gegenwart. Dazu können Diskussionen mit Schüler*innen, wie sie beispielsweise von den Aktivisten der VVN-BDA im Ennepe-Ruhr-Kreis im Rahmen der „Woche für Zivilcourage“ in Gevelsberg durchgeführt werden, einen wichtigen Beitrag leisten, sowie die „Alternativen Stadtrundgänge“ zu Orten des Faschismus und des Widerstands in Hattingen.  

„Das Sichere ist nicht sicher. So, wie es ist, bleibt es nicht“, hat der Schriftsteller Bert Brecht geschrieben. Fakt ist: Demokratie und Aufklärung, Achtung von Minderheiten – das alles muss immer wieder von Neuem praktiziert werden. Die zivilgesellschaftlichen Kräfte – Gewerkschaften, soziale Bündnisse und Wohlfahrtsverbände, linke und demokratische Parteien – müssen sich zur Wehr setzen und „klare Kante“ gegen die Rechten zeigen: Wir brauchen in unserem Land einen „Aufstand der Anständigen“.

Stolpersteine zur Erinnerung an ermordete jüdische Mitbürger*innen – Foto: dw/T.Walker

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