„Organisiert lässt sich mehr durchsetzen“

„Organisiert lässt sich mehr durchsetzen“

Barbara Schöppner, Mitglied der NRW-Tarifkommission Textil- und Bekleidung

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Es war im vergangenen Jahr als die Delegierten Barbara Schöppner als Vertreterin der IG Metall Gevelsberg-Hattingen in die Tarifkommission Textil- und Bekleidung in NRW gewählt haben. Das Gewerkschaftsmitglied ist zugleich Mitglied im siebenköpfigen Betriebsrat des Traditionsunternehmens Vokes Air GmbH in Haßlinghausen. In der Stefansbecke produzieren ca. 115 Beschäftigte Raumluftfilter, die in Krankenhäusern, Hotels und öffentlichen Gebäuden zum Einsatz kommen.

Im Frühjahr 2015 übernahm die weltweit aufgestellte MANN+HUMMEL Gruppe mit Sitz in Ludwigsburg die Vokes Air GmbH und damit auch den Sprockhöveler Standort. „In den vergangenen Jahrzehnten hat nicht nur der Name, sondern haben auch die Eigentümer der Sprockhöveler Produktionsstätte öfters gewechselt, was nicht unbedingt zur Beruhigung der Beschäftigten beigetragen hat“, sagt Barbara.

Positiv schätzt die gewerkschaftliche Interessenvertreterin jedoch ein, dass der neue Anteilseigner, bei dem rund 16.000 Beschäftigte an über 60 Standorte weltweit tätig sind, Investitionen an seinem westfälischen Standort tätigt. „Auch die Mitgliedschaft des Unternehmens im Arbeitgeberverband Textil und Bekleidung wird nicht in Frage gestellt“, fügt sie hinzu. Die Tarifbindung sei sehr wichtig: Für die Beschäftigten gelten die Tarifverträge der IG Metall, über die sie künftig in der Tarifkommission mit entscheiden wird.

Barbara Schöppner wurde 1961 geboren –  in der Gemeinde Welper, die später mit Blankenstein zur Stadt Blankenstein zusammengefasst und bei der Kommunalreform Anfang der 70er Jahre in Hattingen eingemeindet wurde. Der Vater arbeitete als Maschinenschlosser auf der Henrichshütte. In dieser Zeit waren auf der Hütte südlich der Ruhr noch 10.000 Stahlarbeiter beschäftigt.

Den Anstoß zum Schwimmsport bekam die Jugendliche von einer Lehrerin an der Erik-Nölting Schule, die sie besuchte. Daraufhin trat sie der SG Welper bei, und bei Wettbewerben schaffte sie es bis zur Stadtmeisterin. Doch letztlich entdeckte die junge Schwimmerin ihre Leidenschaft für den Handball. 27 Jahre betrieb sie diesen Mannschaftssport und „dies ohne große Verletzungen“, betont sie.

Der neue Lebensabschnitt – der Einstieg ins Berufsleben – begann im Jahr 1977. Barbara Schöppner begann ihre dreijährige Ausbildung zur Steuerfachgehilfin. Nach dem erfolgreichen Abschluss arbeitete sie mehrere Jahre in diesem Fachgebiet, bevor sie danach in einigen kleinen Unternehmen wie u.a. im Autohaus Spürkel in Bochum als Buchhalterin tätig wurde. Schließlich nahm sie im Oktober 2001 bei Atex-Filter in Haßlinghausen die Arbeit als Debitoren-Buchhalterin auf und wechselte sieben Jahre später als Sachbearbeiterin in den Einkauf, wo sie heute für die „Tagesgeschäfte“ zuständig ist.

Beim Luftfilterhersteller Atex, zwischenzeitlich vom Finanzinvestor Riverside übernommen, wählten die Beschäftigten 2009 erstmals einen Betriebsrat. „Bei den Kolleginnen und Kollegen hatte sich viel Unzufriedenheit aufgestaut. Probleme u.a. mit der Arbeitszeit und der Pausenregelung, waren der Auslöser“, schildert Barbara wie es zur Wahl kam. Sie selbst „die Ungerechtigkeiten einfach nicht ab kann“ und „selbst was bewegen“ wollte, kandidierte und wurde gewählt. Inzwischen wählten sie die Schwerbehinderten im Betrieb auch zu ihrer Vertrauensfrau.

Anlass, Mitglied in der IG Metall zu werden, denn „organisiert lässt sich mehr durchsetzen“, so die Gewerkschafterin, die sich erinnert, wie sie sich vor 29 Jahren bewusst in die „Menschenkette“ von der Ruhr- bis zur Kosterbrücke in Hattingen einreihte, um gemeinsam mit 5000 Stahlarbeitern und BürgerInnen der Region die Arbeitsplätze auf der Hütte zu schützen, als Thyssen 2.900 Stahlarbeiter auf die Straße setzen wollte. Einer davon war ihr Vater.

„Natürlich ist die Interessenvertreterarbeit manchmal schon ganz stressig“ meint Barbara. Doch letztlich „bereue sie ihre Entscheidung im Betriebsarbeit aktiv mitzuarbeiten“ nicht. Wenn es beispielsweise gelinge, Leiharbeiter in befristete Beschäftigung mit dem Ziel der Festanstellung zu übernehmen, dann habe man auch Erfolgserlebnisse. Inzwischen vertritt sie die IG Metall-Mitglieder „ihres“ Betriebes auch in der Delegiertenversammlung der Geschäftsstelle Gevelsberg-Hattingen.

Barbara Schöppner, die heute in Witten-Heven lebt, dreht gerne mit dem Fahrrad ihre Runden um den Kemnader-Ruhrstausee und baut im Fitness-Studio, nicht nur ihren alltäglichen Arbeitsstress ab, sondern hält sich auch fit für ihren „Traum“, sich nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben im hohen Norden an der Ostsee niederzulassen, „wo man nicht auf die Uhr schauen muss, wann das Wasser wieder kommt“, erläutert Barbara schmunzelnd.

Foto: IGM G-H Archiv

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