Politik der verbrannten Erde

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Jeco: CIE Mahindra-Vorstand vernichtet Schmiedekapazitäten

Gevelsberg. Natürlich sahen die Beschäftigten und ihre gewerkschaftliche Interessenvertretung in dem Angebot von Frank Jürging und seinem Partner Christian Borsch, die Gesenkschmiede an der Feldstraße zu übernehmen, „eine Option“ den Standort zu retten. „Doch wir waren von Anfang an sehr skeptisch“, so die IG Metall-Bevollmächtigte Clarissa Bader. Schließlich habe der Konzernvorstand im baskischen Bilbao auch die alternativen Vorschläge des Betriebsrates zur Sicherung der Arbeitsplätze mit einer Handbewegung vom Tisch gefegt.

Vor einer Woche berieten in den Räumen von Jeco in Gevelsberg der Urenkel des Jeco-Gründers und sein Geschäftspartner mit den Vorstandsmitgliedern Javier Curras und Burkhard Rausch über das Übernahmeangebot. Während Frank Jürging das Gespräch gegenüber der WAZ anschließend als „frustrierend“ bezeichnete, da es noch nicht einmal zum Austausch von „betriebswirtschaftlichen Details“ gekommen sei, zerriss Burkhard Rausch gegenüber den Arbeitnehmervertretern das Angebot als „völlig unannehmbar, ja als unzumutbar.“

Die Pläne, die bei diesem Gespräch die Mahindra-Vorstandsmitglieder für die Zeit nach der Stilllegung der Schmiede skizzierten, sprechen eine eindeutige Sprache. So sollen die beiden noch funktionierenden Hämmer in die Dritte Welt verkauft, zwei Zerspanungsanlagen von der Mahindra-Tochter Schöneweiss übernommen und der Rest nach Tschechien exportiert werden. Damit ist das eigentliche Ziel offenkundig: Der indisch-spanische Konzern vernichtet Schmiedekapazitäten in Deutschland.

Zu diesem „Konzept der verbrannten Erde“ passt dann auf keinen Fall die Übernahme des Produktionsbetriebes, denn daraus könnte sich möglicherweise in Zukunft ein Konkurrent der Mahnindra-Gruppe entwickeln. Zumal sowieso die Gefahr besteht, dass wichtige Kunden in der Automobilindustrie künftig wegen zu erwartender Qualitätsmängel abspringen könnten. Die Sicherung von Arbeitsplätzen und damit der Existenz von 160 Beschäft6igten und ihrer Familien steht bei diesen „Taschenrechnern in Menschengestalt“ sowieso nicht auf der Agenda.

Zu Recht beklagt der Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi: „Da wird irgendwo auf der Welt von einem global agierenden Konzern beschlossen, Gevelsberg zu einem weißen Flecken in der Landschaft der Schmiedeindustrie zu machen und keiner spricht mit uns.“ Es spricht für ihn, dass er noch einmal das Gespräch mit den Mahindra-Vorständen suchen will, um diese an ihre soziale Verantwortung zu erinnern und auf eine Nachnutzung der Gebäude zu drängen. Denn die Befürchtung, dass die CIE Mahindra-Europa-Verantwortlichen neben der Hünninghaus-Brache an der Hasslinghauser Straße eine Jeco-Brache an der Feldstraße entstehen lassen, ist nicht von der Hand zu weisen.

Die am vergangen Freitag wieder aufgenommenen Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan zwischen Betriebsrat und IG Metall einerseits und der Arbeitgeberseite andererseits, wurden bis Ende des Monats unterbrochen. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeitgeberseite spätestens am 30. Juni konkrete Vorschläge auf den Tisch legt“, erklärte Sven Berg, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Gevelsberg-Hattingen.

 

Foto: Demonstration der Jeco-Beschäftigten – Foto: IGM GH-Archiv

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