Renz: „Geschäftsführung muss endlich Hausaufgaben machen!“

Renz: „Geschäftsführung muss endlich Hausaufgaben machen!“

Hauhinco: Sozialplan und Transfergesellschaft vereinbart

Sprockhövel – „Goldene Zeiten für Hauhinco“, überschrieb die Welt am Sonntag ihren wohlwollenden Bericht über die Sprockhöveler Maschinenfabrik G. Hausherr Jochums GmbH & Co.KG (27.04.2004). „Davon sind wir heute meilenweit entfernt“, so der Betriebsratsvorsitzende Werner Renz. Vor allem der Einbruch des Absatzes im weltweiten Bergbaumarkt mache dem Produzenten von wasserhydraulischen Systemen und Anlagen zu schaffen.

Renz: „Die Krise in der Ukraine, die Sanktionen der EU gegen Russland und deren Reaktionen, ein Embargo gegen Produkte aus den westeuropäischen Staaten haben den Absatz von Wasserhochdruckpumpen für den Bergbau einbrechen lassen.“ Der eingetretene Rückgang habe nicht durch eine Erhöhung des Marktanteils im Industriesektor ausgeglichen werden können.

Die Folge: Im Frühjahr dieses Jahres konfrontierte Geschäftsführer Dipl. Ing. Holger Hoffmann den Betriebsrat mit Personalabbauplänen. In den darauffolgenden Gesprächen wurde der Interessenvertretung immer wieder unterschwellig mit der „Schließung der maschinellen Fertigung“ gedroht. „In der Betriebsversammlung habe ich einen Katalog verlesen, was alles unternommen werden müsste, um die wirtschaftlichen Probleme zu lösen“, sagt Werner Renz. Anschließend habe er die Kollegen aufgeklärt, dass dies Vorschläge der damaligen Geschäftsführung waren, mit denen sie 2009 begründeten wie es nun endlich „vorwärts gehen soll“. Doch kaum etwas sei davon umgesetzt worden, kritisiert der IG Metaller.

Der ehemalige lupenreine Bergbau-Zulieferer wurde 1908, vor über hundert Jahren, in der Stadt Sprockhövel, „der Wiege des Ruhrbergbaus“, gegründet. Die Beschäftigten des Familienunternehmens produzierten über Jahrzehnte hinweg erfolgreich u.a. Abbauhämmer, Spitzhacken und Kettenbahnen für den Kohleabbau unter Tage. Ende der 60er Jahre erschütterte die zweite Bergbaukrise nicht nur Düsterloh, Hausherr und Turmag an der Hauptstraße, sondern auch Hauhinco in der Beisenbruchstrasse. Bei den Eigentümern setzte teilweise ein Umdenken ein: Produkte wurden weiterentwickelt und ein bergbaufernes Produktsegment kam hinzu.

Da war einerseits die Produktion von Wasserhochdruckpumpen für den Strebausbau und die Entwicklung von wasserhydraulischen Steuerungsanlagen für große Maschinenanlagen, wie z.B. für Schmiedepressen und Verformungsgeräte. Andererseits begünstigte das vorhandene „Know- How“ im Bereich der Förderanlagen die Entwicklung von Zugbildungsanlagen, bekannter als Rangierbahnhöfe. Dieses Standbein wurde 1996 durch die Übernahme des Essener Schienenverkehrstechnik-Experten Tiefenbach verstärkt. „Dieses Produktionssegment 2011 an die PINTSCH BAMAG zu verkaufen“, so die beiden Betriebsratsvorsitzenden Werner Renz und Dirk Jüngling, „war ein großer Fehler.“

In den zurück liegenden Tagen konnten die gemeinsam mit der IG Metall-Sekretärin Jennifer Schmidt geführten „Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan“ abgeschlossen werden. „Es gelang uns die Zahl der geplanten Entlassungen zu reduzieren und für die vom Arbeitsplatzverlust Betroffenen einen Sozialplan und die Durchführung einer Transfergesellschaft zu vereinbaren“, erläutert der Betriebsratsvorsitzende. Jetzt müsse die Geschäftsführung „endlich ihre Hausaufgaben machen“. „Denn“, so fügt sein Stellvertreter Dirk Jüngling hinzu, „allein mit der Senkung von Personal- und Arbeitskosten werden die Probleme nicht gelöst.“ Künftig müssten andere Absatzmärkte und Industriezweige systematisch beackert werden. Dazu gehöre auch der Ausbau des Service-Bereiches. Nur so könne die Zukunft gemeistert werden.

Foto: Die Betriebsratsvorsitzenden Werner Renz und Dirk Jüngling (v.l.n.r.) im Betriebsratsbüro Foto: IGM-GH

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