Solidarität mit den streikenden Erzieherinnen

Solidarität mit den streikenden Erzieherinnen

Hattingen: 1. Mai-Kundgebung auf dem Untermarkt

Dem Hattinger Stadtmarketing gelang es nicht, die Mai-Kundgebung des DGB vom traditionellen Platz in der Innenstadt zu verdrängen. Auch 125 Jahre, nachdem zum ersten Mal zu Kundgebungen der Arbeiter und Angestellten am 1. Mai aufgerufen wurden, standen nicht der schnöde Kommerz, sondern die Forderungen der ArbeitnehmerInnen und ihrer Gewerkschaften im Vordergrund. „Die Zukunft der Arbeit gestalten wir“, hieß das diesjährige Mai-Motto – wie, machte ver.di‘aner Hans-Georg Harms, die Mai-Rednerin Stefanie Baranski-Müller vom DGB-Landesbezirk NRW, aber auch KollegInnen aus Betrieben, bei der Begrüßung deutlich.

Stefanie Baranski-Müller setzte sich insbesondere mit der wuchernden Ausbreitung des Niedrig-Lohnsektors und den Folgen prekärer Arbeit auseinander. Die Gewerkschafterin prangerte die sich ausbreitende Leiharbeit an, die von den Arbeitgebern gezielt zum Lohndumping und zur Profitmaximierung eingesetzt werde. An die Berliner Politiker richtete sie die Forderung, Leiharbeit und Werkverträge gesetzlich einzuschränken. Ein Vetorecht der Betriebsräte gegen Leiharbeit und Werkverträge sei dringend notwendig. Nur durch die Ausweitung von Mitbestimmungsrechten könne dem Missbrauch und der Willkür in der Arbeitswelt ein Riegel vorgeschoben werden.

An ihre Ausführungen schloss sich eine interessant moderierte Diskussionsrunde an, bei der zunächst Hans-Georg Harms sich für die Unterstützung des griechischen Volkes einsetzte, das gegen die Knute der Troika und für bessere Lebensbedingungen kämpft. Die Erzieherin Karin Zysk berichtete danach von den Arbeitsbedingungen in den Kindertagesstätten und über den aktuellen Tarifkonflikt für die bessere Bezahlung der Erzieherinnen. Weil die Arbeitgeber eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe grundsätzlich ablehnten, laufe jetzt die Urabstimmung über einen unbefristeten Streik in Kitas etc. Sie bat um Unterstützung zur Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen.

Der interviewte Otto Zimmermann, der nach 24 Jahren Beschäftigung bei der Albert Greifenberg GmbH & Co. KG, die Insolvenz der Firma erleben musste, bedauerte, dass sie keinen Betriebsrat gewählt hatten und so auch nicht von einer Gewerkschaft unterstützt werden konnten. Somit waren die Betroffenen ohne Interessenvertretung dem Insolvenzverwalter ausgeliefert. Sie konnten sich keinen Sozialplan erstreiten. Eine Mahnung an alle Belegschaften, die noch keinen Betriebsrat gewählt haben.

Während sich der IG Metaller Jakobus Fröhlich mit den unverantwortlichen Einschnitten in das gesetzliche Rentensystem und die „Folgen einer zunehmenden Altersarmut“ auseinandersetzte, beantwortete Angélica Urrutia vom Frauenverband Courage, Fragen zu aktuellen frauenpolitischen Forderungen und plädierte „für mehr Kinderbetreuungsplätze“. Sie schilderte die Folgen der Erdbebenkatastrophe in Nepal und forderte „zur solidarischen Unterstützung der betroffenen Menschen auf.“ Schon auf dem Untermarkt gab es viele Spenden.

Zur guten Tradition geworden, ist der Auftritt des IG Metallers Karl-Ferdi Lange, der in selbstgeschriebenen Gedichten, aktuelle politische Ereignisse aufs Korn nimmt. In diesem Jahr natürlich, das inakzeptable Gebaren des Stadtmarketings um die Mai-Feier. Und das in einer Stadt, die aufgrund der massiven Kämpfe der Arbeitnehmerinnen in ihren Stadtmauern überlebt hat.

Mit zusätzlichen Informationen konnten sich die rund 250 Kundgebungs-TeilnehmerInnen an Ständen der politischen Parteien und Gewerkschaften sowie beim Frauenverband Courage eindecken. Hier gab es auch Kaffee und Kuchen. Türkische Kollegen sorgten mit ihren Köften fürs leibliche Wohl. Beim Knappenverein Bochum-Linden-Dahlhausen bekam man nach dem erfolgreichen Krabbeln durch die aufgebaute „Wetterlutte“ eine Urkunde und natürlich gaben sie das „Steigerlied“ zu Besten.

Foto 2_1. Mai Hattingen[2]


Foto 1: GewerkschafterInnen auf dem Untermarkt in Hattingen
Foto 2: Türkische Kollegen sorgten fürs leibliche Wohl
Fotos: Privat

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