Votum für Standort- und Arbeitsplatzsicherung

Votum für Standort- und Arbeitsplatzsicherung

CDP Bharat Forge: Zukunftssicherungsvertrag unterschrieben

Ennepetal – Es ist geschafft. Der dreijährige „Zukunftssicherungsvertrag“ bei CDP Bharat Forge ist in trockenen Tüchern. Wichtigster Punkt des Vertrages: Ein mit erheblichen finanziellen Mitteln ausgestatteter Investitionsplan für die Jahre 2015 bis 2017 für das Werk in Ennepetal. Teile der notwendigen Finanzmittel steuern die 561 Beschäftigten durch eine befristete „unbezahlte“ Arbeitszeitverlängerung bei. Damit sollen die Arbeitsplätze und der Standort gesichert werden.

„Bei der Darstellung des Verhandlungsergebnisses in der Mitgliederversammlung gab es natürlich eine kritische Diskussion“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Udo Kuhlmann. Dennoch hätten zwei Drittel der anwesenden IG Metall-Mitglieder dem „Abweichenden Tarifvertrag“ zugestimmt. „Dieses Votum erklärt sich aus der Einsicht der KollegInnen, dass die Auflösung des Investitions- und Reparaturstaus in der Produktion den Standort und ihre Arbeitsplätze sichert“, ergänzt sein Stellvertreter Andreas Steinke.

Die Vorsitzenden schildern, wie vor rund neun Monaten Geschäftsführer Michael Weis auf den Betriebsrat zu kam und drei unbezahlte Stunden forderte, um notwendige Investitionen mit zu finanzieren. Udo Kuhlmann: „Das setzte nicht nur im Betriebsrat, sondern auch in der Belegschaft einen Diskussionsprozess in Gang.“ Die gewerkschaftliche Interessenvertretung – Betriebsrat, Vertrauensleute und IG Metall – hätten von Anfang an die Beschäftigten, aber insbesondere die IG Metall-Mitglieder beteiligt. Denn schließlich ging es um tarifvertragliche Inhalte über die nur die Gewerkschaft verhandeln kann.

Mit Unterstützung von Dr. Andreas Veres, der arbeitnehmernahen Beratungsgesellschaft PCG (Essen) wurden 22 Punkte identifiziert, mit denen Kosten eingespart werden konnten, die der Geschäftsführung vorgestellt wurden. In vielen Punkten hätte es eine Übereinstimmung gegeben. „Gemeinsam mit der IG Metall – Bevollmächtigten Clarissa Bader legten wir Eckpunkte für die Verhandlungen mit der Geschäftsführung fest“, so Andreas Steinke und fügt hinzu: „Zusätzlich holten wir uns Rückendeckung in Mitgliederversammlungen.“

Auch wenn sie beide nach wie vor gegen „Belegschaftsbeiträge“ sind, reifte bei ihnen die Erkenntnis, dass die von der Geschäftsführung geforderte „unbezahlte“ Arbeitszeitverlängerung nur um den Preis „nicht getätigter“ Investitionen verhindert werden konnte. Was zur Schwächung und damit Gefährdung des Werkes führen würde. Entscheidend war für Udo Kuhlmann und Andreas Steinke, sowie ihre KollegInnen im elfköpfigen Betriebsratsgremium deshalb, welche Forderungen sie in den Tarifverhandlungen als Gegenleistung für die Belegschaft durchsetzen konnten.

Es gelang, die ursprünglich geforderte 38-Stunden-Woche im ersten Jahr auf 37,5, im zweiten Jahr auf 37 und im dritten Jahre auf 36 Stunden einzuschränken und mit einem „Besserungsschein“ zu verbinden, d.h. Rückzahlung des von den Beschäftigten eingebrachten Finanzvolumens bis spätestens 2020. Die wirtschaftlichen Daten werden in einem Lenkungsausschuss, dem die Arbeitgeberseite, der Betriebsrat und die IG Metall Gevelsberg-Hattingen angehört, jährlich überprüft.

Zusätzlich konnte die IG Metall-Verhandlungskommission wichtige Ergebnisse für die Beschäftigten aushandeln. Die wichtigsten Punkte: Betriebsbedingte Kündigungen werden während der Laufzeit des Vertrages ausgeschlossen. Die Zahl der einzustellenden Auszubildenden wird erhöht und nach Abschluss ihrer Ausbildung werden sie in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Die Quote für die Inanspruchnahme der Altersteilzeit wurde auf sechs Prozent aufgestockt.

Zu den vorhandenen Arbeitszeit- und Gleitzeitkonten, deren aktuelle Regelungen noch überarbeitet werden, wird ein auf drei Jahre befristetes „Zukunftssicherungs-Zeitkonto“ eingerichtet. Für Leiharbeiter konnten bessere Regelungen zur Übernahme auf einen Arbeitsplatz bei CDP erreicht werden. „Allein im Juni ist es uns so gelungen, elf Leiharbeiter in eine Beschäftigung zu übernehmen“, weist Udo Kuhlmann daraufhin.

Nicht zuletzt wurde ein „Bonus für IG Metall-Mitglieder“ vereinbart: Gewerkschaftsmitglieder bei CDP Bharat Forge erhalten aus einem Topf, der durch das Unternehmen gespeist wird, einen „Urlaubszuschuss“. Eine Regelung, die die beiden Vorsitzenden für „mehr als gerecht“ halten, denn schließlich „hätten nur die Mitglieder der IG Metall einen rechtlichen Anspruch auf die erkämpften Tarifverträge“, erklärt die IG Metall – Bevollmächtigte Clarissa Bader

Die beteiligungsorientierte Gewerkschaftsarbeit in den zurückliegenden Wochen zahlte sich aus. Nicht ohne Stolz weisen die beiden Betriebsratsvorsitzenden daraufhin, dass es gelungen sei, 30 neue Mitglieder für die IG Metall zu gewinnen. „Und das ist gut so, denn unsere Durchsetzungskraft hängt im wesentlichen von der Zahl der organisierten Gewerkschaftsmitglieder und ihrer Bereitschaft sich zu engagieren, ab“, sagt Udo Kuhlmann zum Schluss unseres Gespräches.

 

Foto: Die CDP-Betriebsratsvorsitzenden Udo Kuhlmann und Andreas Steinke (v.l.n.r.)
Foto: IGM-GH

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