Wenn der Arbeitsplatz zur Sauna wird

Wenn der Arbeitsplatz zur Sauna wird

Weil es immer wieder heiß wird: IG Metall

Hohe Außentemperatur: So manches Büro und manche Werkhalle werden in diesen Tagen zur Sauna. Verständlich, dass sich bei den aktuellen Temperaturen die Fragen zum Thema „Hitze am Arbeitsplatz“ häufiger stellen: Darf die Temperatur die 26 Grad-Grenze überschreiten? Ist der Arbeitgeber zu Vorkehrungen verpflichtet? Welche Maßnahmen sind zu ergreifen, damit die Hitze erträglich bleibt?

„Am 23. Juni 2010 wurde eine neue Technische Regel für Arbeitsstätten (ASR) bekanntgemacht“, erläutert Gewerkschaftssekretärin Jeanette Hentschel von der IG Metall Gevelsberg-Hattingen.“ Seitdem fallen die Antworten etwas anders aus. Die neue „technische Regel“ formuliert klar nachprüfbare Bedingungen, unter denen eine Überschreitung der 26 Grad-Grenze erlaubt ist. Damit soll möglichst verhindert werden, dass schon im Frühjahr oder noch im Herbst hinter Glasfassaden oder in Fabrikhallen geschwitzt wird. Außerdem gibt es klarere und strengere Maßnahmen, damit die Sommerhitze im Betrieb besser ertragen werden kann.

Konkrete Temperaturempfehlungen
Die technische Regel für Arbeitsstätten ASR 3.5 bietet mehr Schutz vor Sommerhitze. Sie beinhaltet konkrete Empfehlungen und Abstufungen: Die Temperatur in Arbeitsräumen soll 26 Grad nicht überschreiten. Höhere Temperaturen als 26 Grad sind nur zulässig, wenn die Außentemperatur auch die 26 Grad-Marke gerissen hat und geeignete Sonnenschutzmaßnahmen installiert sind. Die technische Regel enthält auch klare Bestimmungen, die besagen, was passieren muss, wenn die 26 Grad-Marke überschritten wird.

Der Arbeitgeber muss handeln
Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass die Beschäftigten unter gesundheitsgerechten Bedingungen arbeiten können: Wird es im Büro wärmer als 26 Grad, kann durch Nachtauskühlung oder Getränkeversorgung die Beanspruchung der Mitarbeiter gemindert werden. Bei mehr als 30 Grad Raumtemperatur ist der Arbeitgeber sogar verpflichtet, zusätzliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Steigt die Temperatur auf über 35 Grad, so ist der Raum als Arbeitsraum nicht mehr geeignet – es sei denn, es werden Schutzmaßnahmen ähnlich wie bei Hitzearbeitsplätzen ergriffen – wie Luftduschen oder Entwärmungsphasen.

Beispielhafte Maßnahmen aus der ASR A3.5 Raumtemperatur
> effektive Steuerung des Sonnenschutzes (z. B. Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten)
> effektive Steuerung der Lüftungseinrichtungen (z. B. Nachtauskühlung)
> Reduzierung der inneren thermischen Lasten (z. B. elektrische Geräte nur bei Bedarf
betreiben)
> Lüftung in den frühen Morgenstunden
> Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung
> Lockerung der Bekleidungsregelungen
> Bereitstellung geeigneter Getränke (z. B. Trinkwasser)

Schwere körperliche Tätigkeit
Besonderes Augenmerk ist bei einer Überschreitung der 26 Grad-Grenze geboten, wenn
>schwere körperliche Arbeit zu verrichten ist,
>besondere Schutzkleidung getragen werden muss, die die Wärmeabgabe behindert;
>es sich um gesundheitlich vorbelastete oder besonders schutzbedürftige Beschäftigte (Jugendliche, Ältere, Schwangere) handelt.

Dann muss der Betriebsrat zum Schutz der Gesundheit gegebenenfalls weitere Maßnahmen als die unten genannten verlangen. Dies könnten z. B. Entwärmungsphasen oder auch Tätigkeiten mit geringerer Arbeitsschwere in kühleren Räumen sein.

Beispiele für Gestaltungsmaßnahmen bei speziellen Arbeitsverfahren oder Arbeitsbedingungen (z. B. Hitzearbeit) finden sich in berufsgenossenschaftlichen Informationen (z. B. GI 579, www.arbeitssicherheit.de).

Betriebsvereinbarung abschließen
Zu dem jährlich auftretenden Problem der Sommerhitze am Arbeitsplatz ist es ratsam, dass Betriebsräte eine Betriebsvereinbarung abschließen oder eine Regelungsabrede mit dem Arbeitgeber treffen.

 

(Text unter Verwendung der „Tipps für den Arbeitsplatz“, Fachinformationen zur Arbeitsgestaltung Nr. 39,
IG Metall Auflage Juli 2015)

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