Wer sich nicht bewegt, wird bewegt!

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Stahl-Tarifrunde 2019: „Gelbe Karte“ für die Arbeitgeber

01.02.2019, Nordrhein-Westfalen, Duisburg: Mitglieder der IG Metall Duisburg-Dinslaken demonstrieren in der Nacht an der Großskulptur Tiger & Turtle (von den Künstlern Heike Mutter und Ulrich Genth) unter dem Motto "Feuer und Flamme für mehr Geld und freie Zeit" zum Ende der Friedenspflicht in der laufenden Tarifrunde der Eisen- und Stahlindustrie. Foto: Christoph Reichwein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Sprockhövel. In der Tarifrunde der Eisen- und Stahlindustrie spielen die Stahl-Bosse auf Zeit. Auch in der dritten Tarifverhandlung für die Beschäftigten der nordwestdeutschen Stahlindustrie legten die Arbeitgeber kein Angebot vor. Die Tarifkommission der IG Metall reagierte prompt – mit einem Aufruf zum Warnstreik: Jetzt muss in den Betrieben Druck gemacht werden. Wer Zeit schindet, bekommt die „Gelbe Karte“.

Die IG Metall fordert für die rund 72.000 Beschäftigten der Branche in NRW, Niedersachsen und Bremen sechs Prozent mehr Geld. Hauptstreitpunkt bei den Verhandlungen ist die weitere Forderung der Gewerkschaft nach Einführung eines zusätzlichen Urlaubsgelds von 1800 Euro, das auch in freie Tage umgewandelt werden kann. Die Wahloption „Zeit statt zusätzlichen Urlaubsgeldes“ spielt bei Tarifverhandlungen eine immer größere Rolle.

Die Forderungen der IG Metall

> 6 Prozent mehr Lohn und Gehalt­
> 1800 Euro Urlaubsvergütung. Wir wollen, dass diese in freie Zeit umgewandelt werden kann. ­
> überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen
> 600 Euro Urlaubsvergütung für die Auszubildenden
> Verhandlungsverpflichtung zur tariflichen Absicherung der dual Studierenden
> Verlängerung der Tarifverträge zu Altersteilzeit, Beschäftigungssicherung und Werkverträgen

Kein Angebot der Arbeitgeber

Obwohl angekündigt, legten die Arbeitgeber in der dritten Verhandlung in Düsseldorf kein Angebot vor. Begründung: Sie könnten nicht einschätzen, wie teuer ihnen die Forderungen der IG Metall zu stehen kommen. Wenn die Entgeltumwandlung für alle Beschäftigten gelten solle, bedeute dies eine Arbeitszeitverkürzung von 1,5 bis 2 Stunden in der Woche, jammerte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Stahl, Bernhard Strippelmann. Das könne sich kein Betrieb der Stahlindustrie leisten. Nun wollen die Arbeitgeber erst ein Angebot vorlegen, sobald die IG Metall ihre Forderung präzisiert habe.

Irgendwann reicht’s!

„Wir haben unsere Forderungen mehr als einmal erklärt. Irgendwann reicht’s! Kein Angebot hieß: Es gab nichts zu verhandeln“, sagte IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Knut Giesler und fügte hinzu: „Ohne Angebot ergeben Verhandlungen keinen Sinn.“ Die Verhandlungskommission der IG Metall brach nach 15 Minuten das Gespräch ab. Er habe das Verhalten der Gewerkschaft als nicht konstruktiv empfunden, empörte sich der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Stahl Andreas Goss.

„Dass die Verärgerung der Beschäftigten über die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber groß ist,“ das zeigte sich in der großen Tarifkommission in Sprockhövel. Die Beschäftigten hätten in den letzten Jahren einen großen Beitrag geleistet, um die Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie in Deutschland zu sichern. Jetzt, wo es gut laufe, die Bundesregierung einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1 Prozent erwarte, sollen sie nicht daran teilhaben dürfen.  

Wer sich nicht bewegt, wird bewegt!

Mit Unmut reagierten die Mitglieder der Tarifkommission auf die Verzögerungstaktik der Arbeitgeber. Sie waren einhellig der Meinung: Wenn die Arbeitgeber sich nicht bewegen, müssen wir sie bewegen. Einstimmig wurden betriebliche Warnstreiks beschlossen. Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 18. Februar werde es Warnstreikaktionen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen geben, hieß es nach einer Sitzung der Tarifkommission.

Foto: „Feuer und Flamme für einen guten Tarifvertrag“ zeigten Stahlarbeiter auf dem Kunstobjekt „Tiger & Turtle“ in Duisburg – dpa

 

 

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