„Wir sind stolz auf euch!“

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Jubilarehrung der IG Metall im Schwelmer Ibach-Haus

Der Saal im Ibach-Haus in Schwelm war komplett gefüllt. Die Erste Bevollmächtigte Clarissa Bader konnte viele der 432 langjährigen Mitglieder zur Jubilarfeier in neuer Umgebung begrüßen. Die IG Metall Gevelsberg-Hattingen ehrte 103 Kolleginnen und Kollegen für 25-jährige, 137 für 40-jährige, 106 für 50-jährige, 60 für 60-jährige und 26 für 70-jährige Mitgliedschaft. „Wir sind stolz auf euch, dass ihr der IG Metall die ganzen Jahre die Treue gehalten habt“, sagte Clarissa Bader und fügte hinzu: „Ohne euch und euer Engagement hätten wir die zurückliegenden betrieblichen, tarif- und gesellschaftspolitischen Kämpfe nicht führen können.“

Die IG Metall stehe in der Region vor großen betrieblichen Auseinandersetzungen und Herausforderungen, führte die Gewerkschafterin mit Blick auf die Transformationsprozesse in der industriellen Arbeitswelt aus. Um diese im Sinne der Beschäftigten sozial gestalten zu können, sei „eine starke IG Metall und eine gute Verankerung in den Betrieben notwendig“. Gerade in der heutigen Zeit sei es notwendig, das politische Mandat der Gewerkschaften geltend zu machen. Clarissa Bader stellte fest: „Angesichts der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung, verbunden mit Fremdenfeindlichkeit und Abbau von Arbeitnehmerrechten, müssen wir uns stärker als bisher in politische Diskussionen einmischen und klare Positionen beziehen.“ Unter Beifall erteilte die IGM-Bevollmächtigte der rechtspopulistischen AfD ein klare Absage.

An einer solidarischen, humanen und gerechten Gesellschaft bauen.

In seiner Festrede gab der 2. Bevollmächtigte Mathias Hillbrandt, der in diesem Jahre ebenfalls sein 25-jähriges IGM-Jubiläum feiern konnte, immer wieder einen kurzen historischen Rückblick zu den jeweiligen Eintrittsjahren der Jubilarinnen und Jubilare. Er betonte, für uns Gewerkschafter ist es wichtig, „stets aus der Geschichte zu lernen und nie aufzuhören an einer solidarischen, humanen und gerechten Gesellschaft zu bauen“. Dafür, dass sie daran jahrzehntelang mitgewirkt haben, dankte er den Jubilaren. Hillbrandt bekräftigte: „Ihr betrachtet eure Gewerkschaft nicht nur als eine Art Versicherung gegen die Risiken im Arbeitsleben – denn ihr seid auch geblieben, als ihr diesen Risiken nicht mehr ausgesetzt wart.“

Der Festredner erinnerte daran, dass vor 100 Jahren die Arbeiterbewegung das Frauenwahlrecht erkämpft hat, aber auch die Reaktionäre Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet haben. In der Betrachtung der Nachkriegszeit ging er besonders auf das Jahr 1949 ein. In jenem Jahr als die 70-jährigen Jubilare in die IG Metall eintraten, wurde die IG Metall als Nachfolgeorganisation des deutschen Metallarbeiterverbandes, aber auch der DGB als Dachverband der Einzel-Gewerkschaften gegründet. „Damals wie heute sind wir dem Prinzip der Einheitsgewerkschaft verpflichtet, parteipolitisch, unabhängig – aber weder beliebig noch neutral“, so Hillbrandt.

Der 2. Bevollmächtigte erinnerte an die DGB-Kampagne „Samstags gehört Vati mir!“ die Erfolge der Gewerkschaftsbewegung wie Lohnfortzahlung für Arbeiter*innen im Krankheitsfall, sechs Wochen Urlaub im Jahr und die Arbeitszeitverkürzung von 48 auf 35 Stunden sowie höhere Einkommen. „Dies alles war nur möglich, weil Metaller*innen, Textiler*innen und Holzwürmer bereit waren, für ihre Forderungen zu kämpfen,“ betonte Mathias Hillbrandt. „Gerade ihr Jubilare habt daran einen großen Anteil gehabt.“

Einen großen Anteil an dieser Entwicklung hätten auch die vielen Migranten gehabt, die ab den 1960er-Jahren als „Gastarbeiter“ auch ins Ruhrgebiet kamen und den „Pott“ zum Schmelztiegel unterschiedlicher Nationen machten. Umso unverständlicher sei es, dass sich heute wieder Rassismus und Rechtsextremismus breit mache. Mathias Hillbrandt plädierte dafür, für eine gerechte und soziale Politik zu streiten, denn soziale Ungleichheit sei „der Nährboden“ der rechten Propagandisten der AfD. „Richten wir den Blick nach vorn,“ appellierte er an die Jubilare und rief ihnen abschließend zu: „Wir sind die politische Kraft, auf die sich die Arbeitnehmer*innen verlassen können!“

Die Teilnehmer*innen der Talkrunde mit der Ersten Bevollmächtigten Clarissa Bader und dem 2. Bevollmächtigten Mathias Hillbrandt

„Solidarität – gemeinsam etwas durchsetzen können“

Die Geehrten gaben die Anerkennung zurück: Wenn wir die IG Metall nicht hätten, wären wir nicht in der Lage gewesen, vieles durchzusetzen oder Angriffe auf unsere Rechte abzuwehren, so der Tenor in der kleinen Talkrunde, an der Kolleginnen und Kollegen aus den jeweiligen Jubilars-Jahrgängen teilgenommen haben. Clarissa Bader und Mathias Hillbrandt sprachen mit Bianca Hengstwert, ehemalige Beschäftigte bei der Firma Dieckerhoff Guss Gevelsberg (25 Jahre), Margret Müthing, ehemalige stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Firma Siegfried Jakob Ennepetal (40 Jahre), Carola Scheper, ehemalige Betriebsratsvorsitzende der Textilfirma OZO Zours Hattingen, Klaus Seißer, beschäftigte bei Titan Umreifungstechnik Schwelm (60 Jahre) und dem 86-jährigen Wilhelm Gathmann (70 Jahre) über ihre Beweggründe in die Gewerkschaft einzutreten und ihre Erfahrungen mit der betrieblichen Gewerkschaftsarbeit.

„Ein Schelm in Schwelm“

Danach hieß es Vorhang auf, für das Leo-Theater: Marc Neumeister erinnerte unter dem Motto „Ein Schelm in Schwelm“ an den Wortakrobaten und Komiker Heinz Erhardt. Seine Gedichte und Geschichten stellte er in den Mittelpunkt der Inszenierung, aber auch die Sketche, die Erhardt mit anderen Künstlern auf die Bühne gebracht hatte. Ruben Michalik begleitete Neumeister am Piano. Was würde Heinz Erhard sagen: Wenngleich die Nas´, ob spitz, ob platt, zwei Flügel (Nasenflügel) hat, so hält sie doch nicht viel vom Fliegen, das Laufen scheint ihr mehr zu liegen. Es war ein vergnüglicher Ausklang der diesjährigen Jubilarfeier.

Fotos: IGM G-H

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