„Zuhören, die Menschen aussprechen lassen, ihre Probleme ernst nehmen“

„Zuhören, die Menschen aussprechen lassen, ihre Probleme ernst nehmen“

Sibel Ünlü, stellv. Betriebsratsvorsitzende ABC Umformtechnik Gevelsberg

Das Unternehmen Altenloh, Brinck & Co (ABC) ist eine der ältesten Schraubenfabriken Deutschlands. Auf über 185 Jahre Geschichte mit Höhen und Tiefen kann das Unternehmen im Tal der Ennepe zurückblieben. Es wird an zwei Standorten produziert: In Ennepetal hat SPAX International, der Spezialist für moderne Verbindungstechnik seinen Sitz. In Gevelsberg hat die ABC Umformtechnik GmbH ein Spezialist, u.a. für Automotive und Radverschraubungssysteme ihren Sitz. Bis vor drei Jahren noch fest im Gruppenverbund ABC, agieren heute beide Unternehmen unter „eigenständigen personellen Leitungen“.

Die Folge: Der Gemeinschaftsbetriebsrat wurde aufgelöst und im Frühjahr 2019 an beiden Standorten ein eigenständiger Betriebsrat gewählt. Mit dem Ergebnis, dass in der Geschichte des Unternehmens zum ersten Mal eine Frau stellvertretende Betriebsratsvorsitzende wurde: Kollegin Sibel Ünlü. Die 320 Beschäftigten der ABC Umformtechnik GmbH in Gevelsberg wählten sie und acht weitere Kolleginnen und Kollegen Anfang April mit hoher Stimmenzahl in das Betriebsratsgremium, das wiederum Thomas Staar zum Vorsitzenden und Sibel Ünlü zur stellvertretenden Vorsitzenden bestimmte.

Kollegin Sibel Ünlü ist 1977 in Dillenburg im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis geboren. Es ist das Jahr in dem die Menschenrechtsorganisation Amnesty International den Friedensnobelpreis erhält. Ihre Eltern kamen in den 1970er-Jahren aus der Türkei als Arbeitskräfte in die Oranienstadt. Hier ist sie aufgewachsen und in die Schule gegangen. Nach Abschluss der Realschule folgte ein Jahr höhere Handelsschule und ihre Ausbildung hat sie als staatlich geprüfte Fremdsprachen-Korrespondentin abgeschlossen. Aufgrund der familiären Einbindung und kultureller „Zwänge“ blieben für Sibel in ihrer Jugend „leider manche Türen, wie bei Sportvereinen verschlossen“. „Daraus habe ich gelernt, meine drei Kinder können heute entscheiden und ihren Neigungen nachgehen,“ sagt sie selbstbewusst.

Es war die Heirat mit ihrem Ehemann Ücler, warum sie von Hessen nach Hagen, dem „Tor zum Sauerland“, an den südöstlichen Rand des Ruhrgebiets umgezogen ist. Nach einer kurzen Tätigkeit in Bochum, nahm die IG Metallerin im Jahr 2001 ihre Tätigkeit als Assistentin der Geschäftsleitung bei der ABC-Gruppe auf. Nach der Elternzeit war Sibel Ünlü als Halbtagskraft in der Fertigungssteuerung, im Bereich PPS und schließlich im Vertrieb tätig. Hier ist sie nach wie vor für die Betreuung der Kunden aus der Automobilindustrie zuständig.

„Willst du nicht kandidieren? Wir brauchen jemanden in der Verwaltung!“

Im vergangenen Jahr bei den regulären Betriebsratswahlen 2018 hatte sich der Betriebsrat der ABC-Gruppe im Gegensatz zur Auffassung des Arbeitgebers entschieden, trotz Aufteilung des Gruppenverbundes, erneut einen gemeinsamen 13-köpfigen Betriebsrat zu wählen. „Es war der Betriebsratsvorsitzende Asim Islah der mich gefragt hat, ob ich nicht bei der Wahl kandieren möchte,“ berichtet Sibel Ünlü. Sie bräuchten unbedingt eine Vertreterin aus dem Bereich der Verwaltung in ihrem Gremium. „Er hatte recht,“ so Sibel, denn an wen sollten wir uns wenden, wenn wir – die Angestellten – Probleme haben. Zu den Mitgliedern des Betriebsrates im Fertigungsbereich hatten wir ja wenig Kontakt. „Also ließ ich mich als Kandidatin aufstellen.“ Kollegin Ünlü wurde Ersatz-Mitglied des Betriebsrates, damit konnte sie jedoch an mancher Sitzung des Gremiums teilnehmen, in die Arbeit „reinschnuppern“ und erste Erfahrungen sammeln.

„Diese Erfahrungen kommen mir heute in meinem neuen Amt als stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und in meiner Tätigkeit in den Ausschüssen zu Gute,“ sagt Sibel Ünlü, die nach ihrer Wahl in die IG Metall eingetreten ist: „Denn wir brauchen nicht nur die Unterstützung unserer Kolleginnen und Kollegen im Betrieb, sondern auch die Gewerkschaft, wenn wir bei der Durchsetzung unserer Ziele erfolgreich sein wollen.“ Ihre Stärke sei, zuhören zu können, es sei wichtig, dass sich die Menschen artikulieren, um zu wissen, wo bei ihnen der Schuh drückt, um ihnen helfen zu können. Wichtig sei ihr die gute Zusammenarbeit im Betriebsrat und vor allem, „dass die BR-Spitze ein gutes Team bildet“.

Nur so könne es gelingen, die künftigen Herausforderungen zu bewältigen und einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze in Gevelsberg zu leisten.

Foto: IGM GH

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