Zwölf Fragen – zwölf Antworten

Zwölf Fragen – zwölf Antworten

Informationen für IG Metall-Mitglieder: Werkvertrag

Hauptsache Job, denkt der eine oder andere. Tatsächlich macht es einen Unterschied, ob man im Betrieb befristet oder fest angestellt ist, bzw. in Leiharbeit oder mit Werkvertrag beschäftigt wird. Bei Werkverträgen hat z.B. der Betriebsrat kaum Einfluss. „Das ist bei einer festen Stelle oder auch bei Leiharbeitern anders. Hier gelten die Tarifverträge, wenn der Betrieb tarifgebunden ist“, erläutert Gewerkschaftssekretär Sven Berg.

Was ist ein Werkvertrag?
Das ist ein Vertrag, bei dem sich der Auftragnehmer (Hersteller) verpflichtet, ein Werk gegen Zahlung (Werklohn) durch den Auftraggeber (Besteller) herzustellen. Im Werkvertrag wird die Arbeit nach dem Ergebnis (Werk) beurteilt und nicht nach dem Aufwand der geleisteten Arbeit.

Bei einem Werkvertrag beauftragt der Auftraggeber den Auftragnehmer, in der Regel eine Firma, mit der Erstellung eines Werks. Die Werkvertragsfirma ist verpflichtet, das zugesagte Werk zum vereinbarten Preis mit dem Besteller herzustellen. So regelt es Paragraf 631 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Das Herstellen oder Verändern einer Sache kann ebenfalls ein Werk umfassen. Klassisches Beispiel: Eine Handwerksfirma erhält den Auftrag, eine neue Heizungsanlage im Büro einzubauen – oder die alte Heizungsanlage zu reparieren.

Die beauftragte Werkvertragsfirma handelt dabei unternehmerisch selbstständig. Sie entscheidet selbst, wie, mit wie vielen Leuten und mit welchem Zeitaufwand sie die Arbeit erledigt. Sie verwendet dabei eigene Arbeitsmittel. Und sie ist auch allein verantwortlich und somit haftbar für das Endergebnis. Der Auftraggeber zahlt am Ende den vereinbarten Preis für das vereinbarte Ergebnis – und nicht für Arbeitskräfte oder Arbeitszeit.

Welche Unternehmen nutzen Werkverträge?
Werkverträge gibt es in allen Branchen der Metallindustrie. Viele Firmen haben Servicebereiche wie z.B. den Werkschutz ausgelagert. Doch mittlerweile vergeben die Unternehmen immer mehr Tätigkeiten aus den Kernbereichen des Betriebes an Werkvertragsfirmen. Dies geschieht sowohl im IT-Bereich – viele Autohersteller haben die Entwicklung kompletter Komponenten an externe Ingenieurdienstleister ausgegliedert. Als auch in der Produktion – bei BMW und Porsche in Leipzig etwa montieren Werkvertragsfirmen Achsen, Türen und Räder. Und schließlich auch im Service- in der Aufzugindustrie ist bereits der größte Teil der Montage und Wartung über Werkverträge ausgelagert.

Was ist der Unterschied zwischen Werkvertrag und Leiharbeit?
Bei einem Werkvertrag bestellt der Kundenbetrieb ein Werk – bei der Leiharbeit bestellt das Unternehmen Arbeitnehmer. Beim Werkvertrag wird der Erfolg bezahlt – bei der Leiharbeit die Arbeitszeit. Die Mitarbeiter des Werkunternehmers gehören nicht zum Kundenbetrieb. Sie dürfen lediglich bis zu einem gewissen Grad in die Arbeitsabläufe des Bestellers eingebunden sein. Sie unterliegen nicht den Weisungen von Vorgesetzten des Kundenbetriebs.

Dagegen gehören Leiharbeiter jedoch zum Kundenbetrieb. Sie arbeiten dort nach den Weisungen der Vorgesetzten und für sie ist auch der Betriebsrat zuständig. Daher dürfen sie auch bei der Betriebsratswahl im Entleiherbetrieb mitwählen.

Häufig werden diese Abgrenzungen bei Werkverträgen jedoch nicht eingehalten. Dann spricht man von sogenannten Scheinwerkverträgen, die in Wahrheit versteckte Leiharbeit sind.

Woran erkenne ich, ob ich über einen Werkvertrag arbeite?
Für den einzelnen Arbeitnehmer ist oft schwer zu erkennen, zu welchen Vertragsbedingungen er arbeitet. Wenn er jedoch dauerhaft auf dem Werksgelände einer anderen Firma Arbeiten für die andere Firma erledigt, dann liegt vermutlich ein Werkvertrag vor. Wir empfehlen: Fragen Sie Ihren Betriebsrat, den Betriebsrat des Kundenbetriebs oder bei der IG Metall Gevelsberg-Hattingen nach.

Was bedeutet das für mich?
Prinzipiell macht es zunächst einmal keinen Unterschied, ob die Firma selbstständig Produkte und Dienstleistungen am Markt verkauft – oder ob sie im Auftrag anderer Firmen arbeitet. Entscheidend sind die Arbeitsbedingungen und das Entgelt, das im Arbeitsvertrag oder in dem für den Betrieb gültigen Tarifvertrag festgelegt ist. Es gibt auch Werkvertragsarbeit, die sehr gut bezahlt wird. Etwa bei spezialisierten Ingenieurdienstleistern.

In der Regel jedoch sind die Arbeitsbedingungen und Löhne schlechter als bei den Stammbeschäftigten im Kundenbetrieb. Häufig werden „Fremdfirmen-Leute“ und „Externe“ auch deutlich schlechter behandelt: Sie erhalten keine Ermäßigung in der Kantine und oft auch keine korrekte Arbeitsschutzausstattung.

Wer ist mein Vorgesetzter? Mit wem muss ich meine Arbeitsaufgaben klären?
Ihr Vorgesetzter ist der Chef der Werkvertragsfirma. Der Vorgesetzte im Kundenbetrieb hat strenggenommen keine Weisungsbefugnis, wobei in der Praxis natürlich ein fachlicher Austausch nötig sein kann, der aber klar eingegrenzt sein muss, etwa in Projektarbeit. Wenn Sie als Werkvertragsbeschäftigter regelmäßig in Projektbesprechungen einbezogen werden, ist das problematisch.

Wenn jedoch die Vorgesetzten des Kundenbetriebs Ihnen regelmäßig Anweisungen erteilen, dann liegt der Verdacht nahe, dass es sich um einen Scheinwerkvertrag – und damit um versteckte Leiharbeit handelt

Von wem erhalte ich mein Gehalt?
Von Ihrer eigenen Firma, nicht vom Kundenbetrieb. Der zahlt ja für das Werk und nicht für Sie als Arbeitskraft.

Bekomme ich Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und Prämien wie die anderen Beschäftigten der Firma?
Nein. Anderer Betrieb – andere Baustelle. Es sei denn der Betriebsrat kann mit Unterstützung der IG Metall etwas erreichen.

Wer legt meine Arbeitszeit fest?
Die Werkvertragsfirma. Sie vereinbart die Einsatzzeiten mit dem Kundenbetrieb. Der Vorgesetzte im Kundenbetrieb hat über Ihre Arbeitszeit nicht zu bestimmen. Ansonsten liegt der Verdacht vor, dass es sich um einen Scheinwerkvertrag handelt und damit um verdeckte Leiharbeit. In der Praxis kann es also durchaus sein, dass Sie andere Arbeitszeiten als die Stammbelegschaft haben.

Welche Rechte habe ich?
Sie sind ein normale/r Arbeitnehmer/in. Daher gelten alle arbeitsrechtlichen Gesetze. Wenn ein Tarifvertrag gilt, dann gilt dieser auch für Sie, wenn Sie Gewerkschaftsmitglied sind. Wenn Sie sich ungerecht behandelt fühlen, können Sie Ihren Betriebsrat informieren oder die zuständige IG Metall. Die IG Metall berät und vertritt Sie auch vor Gericht. Wichtig ist aber auch, den Betriebsrat aus dem Kundenbetrieb anzusprechen.

Wie kann ich in ein Festanstellungsverhältnis wechseln?
Liegt eventuell ein Scheinwerkvertrag vor? Im günstigsten Fall wäre sogar eine Festanstellung beim Kunden möglich. Zumindest besteht die Chance, dass Ihr jetziges Arbeitsverhältnis in Leiharbeit beim Kundenbetrieb umgewandelt wird. Dann hätten Sie ein Anrecht auf die tariflichen Branchenzuschläge der IG Metall. Zudem wäre dann auch der Betriebsrat des Kundenbetriebs für Sie zuständig.

Ist der Betriebsrat des Kundenbetriebs für mich zuständig?
Der Betriebsrat des Kundenbetriebs ist zwar offiziell nicht für Sie zuständig – in Sachen Arbeitsschutz aber schon. Wenn die Arbeitssicherheit bei Ihnen im Argen liegt, kann der Kunden-Betriebsrat einiges bewirken, da der Kunden-Arbeitgeber für den Arbeitsschutz auf seinem gesamten Werksgelände verantwortlich ist. Zudem kann der Betriebsrat des Kundenbetriebs auch mal ein ernstes Wort mit seinem Arbeitgeber reden, beispielsweise dann, wenn die Firma die Gesetze nicht einhält oder wenn Scheinwerkverträge vorliegen. (Unter Verwendung von Materialien der DGB-Rechtsschutz GmbH)

Foto: : Werkzeugkasten – Werkverträge Foto: IGM GH

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